Wirtschaft : Schröder muß jetzt Farbe bekennen

Wirtschaft erwartet vom SPD-Kanzlerkandidat vor allem programmatische festlegung DÜSSELDORF (HB).Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Sieg von Gerhard Schröder (SPD) bei den niedersächischen Landtagswahlen begrüßt.Der Erfolg sei ein eindeutiges Votum dafür, daß ein Politikwechsel in Bonn stattfinden müsse, sagte die Stellvertretende DGB-Vorsitzende, Ursula Engelen-Kefer, am Montag in Düsseldorf.Naturgemäß zurückhaltender äußerten sich die Verbände der Wirtschaft.Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, erklärte am Montag, daß die deutsche Wirtschaft die Politik des SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder an seinem konkreten Programm messen wolle.Dabei müsse Schröder seine oft zitierte Formel "Modernität in der Wirtschaftspolitik, Steuerreform, technologischer Fortschritt" endlich auch inhaltlich ausstatten.Die SPD müsse nun nachweisen, ob sie mit der Kür Schröders auch den Richtungswechsel mitvollziehen werde, für den der Kandidat stehen wolle.Ähnlich die Reaktion des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).In einer Erklärung begrüßte der Industrieverband, daß sich die SPD jetzt mit einem Kanzlerkandidat in die inhaltliche Wahlauseinandersetzung begebe.Damit habe das Doppelspiel ein Ende, das es der SPD erlaubt habe, mit zwei Kandidaten linkes und mittleres Wahlspektrum gleichzeitig zu bedienen, ohne ein insgesamt konsistentes Konzept vorlegen zu müssen.Prinzipiell betonte der BDI, daß mit der Festlegung auf Schröder die Erwartung verbunden werde, daß in der SPD die Interessen der Wirtschaft künftig wieder mehr Berücksichtigung fänden.Dabei sei insbesondere zu hoffen, daß der von Lafontaine geprägten "ideologischen Linie und der populistischen Forderung nach einer Rücknahme der mühsam errungenen Reformen des letzten Jahres" eine Absage erteilt werde.Mit Skepsis wurde aber auch in Richtung Schröder nicht gespart.Der BDI betonte, daß er von Schröder mehr als einen "hemdsärmeligen Pragmatismus" erwarte, mit dem von Zeit zu Zeit Unternehmen in staatliche Obhut genommen würden.Die Wirtschaft erwarte konkrete Aussagen, mit welchen ordnungspolitischen Vorstellungen und mit welchen steuer- und sozialpolitischen Konzepten Schröder Deutschland für arbeitsplatzschaffendes Kapital wieder attraktiver machen wolle.Dabei seien die bisherigen finanz- und wirtschaftspolitischen Ergebnisse der Schröder-Regierung in Niedersachsen alles andere als eine Empfehlung für den Bund.Für eine endgültige Beurteilung komme es jetzt auf das Wirtschaftsprogramm der Sozialdemokraten an.An den Finanzmärkten und in Bankenkreisen hat die Wahl in Niedersachsen neue Spekulationen über den Ausgang der Bundestagswahl ausgelöst.Dabei richtete sich das Augenmerk auf mögliche Bonner Koalitionen.Von einer rot-grünen Bundesregierung wurde allgemein nicht erwartet, daß es zu einem Ende des Reformstaus kommen könne.

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