Wirtschaft : Schröder streitet mit der Wirtschaft über Lehrstellen Kanzler und Verbände aber

über weitere Reformen einig

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München (dpa). Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat der deutschen Wirtschaft bei einem Spitzentreffen in München eine Fortsetzung des Reformkurses zugesichert. Dies sei wegen des internationalen Wettbewerbsdrucks und der Alterung der Bevölkerung nötig, sagte Schröder nach einem Gespräch mit den Chefs der vier Spitzenverbände der Wirtschaft am Freitag in München. Keine Einigung gab es im Streit um die Ausbildungsabgabe. Die Verbände von Industrie, Arbeitgebern, Handwerk sowie Industrie und Handelskammern forderten schnellere Reformen und eine Senkung der Steuersätze unter 35 Prozent.

Schröder sagte nach dem traditionellen Treffen am Rande der Internationalen Handwerksmesse: „Der Reformprozess, der notwendig ist, wird von der Wirtschaft generell unterstützt.“ Auf dieser Basis könne man die eine oder andere Meinungsverschiedenheit aushalten. An der Ausbildungsabgabe will der Kanzler aber festhalten: „Die Positionen sind unterschiedlich und dabei wird es wohl auch bleiben.“ Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, erklärte, die Reformen dürften nicht zurückgedreht werden: „Es gibt einige Stichworte, die uns mit Sorge erfüllen.“ Die geplante Ausbildungsabgabe sei eine „bürokratische Fehlsteuerung“ und werde vor allem den Mittelstand treffen.

Rogowski forderte größere Anstrengungen, um die Jugendlichen zu qualifizieren: „Wenn 90 000 junge Menschen in Deutschland nicht ausbildungsfähig sind, dann muss die Politik etwas tun.“ Schröder sagte, alle ausbildungsfähigen Jugendlichen müssten eine Lehrstelle erhalten: „Niemand will Fehler, die in den Schulen gemacht werden, der deutschen Wirtschaft vor die Türen kippen.“ Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Dieter Philipp, betonte, jeder zehnte Beschäftigte im Handwerk sei ein Lehrling. Bereits heute würden viele „schwer Auszubildende“ beschäftigt.

Rogowski forderte mehr Investitionen des Bundes in Bildung, Forschung und Innovationen. „Wir messen der Innovationsoffensive große Bedeutung bei, aber das darf sich nicht auf Elite-Universitäten beschränken.“ Die Fundamente des Bildungswesens müssten tragfähig sein. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bezeichnete das Treffen als atmosphärisch sehr gut und sachlich.

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