Wirtschaft : Schröder stützt Mehdorn

Bahnchef zieht positive Bilanz nach zehn Jahren Bahnreform – und erhält Lob vom Bundeskanzler

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Berlin (hop). Bahnchef Hartmut Mehdorn drängt auf einen schnellen Börsengang. Das sagte er am Mittwoch in Berlin bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum der Bahnreform. Die Entscheidung über den möglichen Zeitpunkt liege zwar allein beim Alleineigentümer, dem Bund. Doch sei mehr Kundennähe und Marktorientierung „nur mit einem Börsengang“ möglich. Mehdorn kündigte an, dass in diesem Jahr vor allem die Qualität und Pünktlichkeit verbessert werden sollten.

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstüzte Mehdorn. Schröder sagte bei einem Festakt, der Börsengang der Bahn sei Ziel der Bundesregierung. „Bis 2005 müssen dafür die Weichen gestellt sein. Dann werden wir darüber entscheiden.“ Er sei davon überzeugt, dass „die Beteiligung privater Investoren der unternehmerischen Entwicklung gut tun wird“. Allerdings müssten vorher die betriebswirtschaftlichen Grundlagen gegeben sein. Eine Voraussetzung sei, dass 2004 beim Betriebsergebnis der Bahn mindestens eine schwarze Null stehe, sagte Schröder.

Mehdorn stellte auch nach Verlusten in den vergangenen Jahren wieder den Sprung in die Gewinnzone in Aussicht. „Das können wir erreichen, auch wenn es uns keiner glaubt.“ Mit den bisher erzielten Erfolgen der Bahnreform sei er zufrieden, sagte Mehdorn. Die gesetzten Ziele seien „im Wesentlichen“ erreicht worden. Im Dezember 1993 hatten Bundestag und Bundesrat beschlossen, die damals chronisch defizitäre staatliche Bundesbahn und Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Im Januar 1994 wurde daraufhin die Deutsche Bahn AG gegründet. Die nun marktwirtschaftliche Bahn sollte wieder Gewinne einfahren und mehr Kunden anziehen. Beides habe die Bahn geschafft, sagte Mehdorn.

Ingesamt fuhren die Menschen in Deutschland mehr Bahn. Der Zuwachs an Personenkilometern habe bei elf Prozent gelegen, rechnete der Bahnchef vor. Den Steuerzahlern seien dank der Fortschritte durch die Reform Milliardenzuschüsse an die Bahn erspart geblieben, sagte Mehdorn. Ohne die Reform sei vor Verabschiedung der Gesetze für die Jahre 1994 bis 2003 mit einer Belastung von 291 Milliarden Euro gerechnet worden. Dagegen hätten sich die Bundesleistungen nun auf etwa 183 Milliarden Euro belaufen – also 108 Milliarden Euro besser als ohne Reform.

Allerdings sind seit Beginn der Reform etwa 140000 Arbeitsplätze abgebaut worden. „Und wir sind da noch nicht fertig“, sagte Mehdorn. Außerdem werde die Bahn auf Jahre hinaus Zuschüsse für Erhalt und Ausbau der Schiene benötigen, so Mehdorn. „Wir haben weiterhin einen großen Nachholbedarf bei Investitionen und Innovationen.“ Auch hier gab es Unterstützung von Kanzler Schröder: „Für eine moderne Bahn muss der Bund seinen Beitrag leisten.“

Die massive Kritik an der Bahn wies Mehdorn zurück. Er räumte zwar Probleme ein, deshalb werde die Bahn auch in diesem Jahr zum Beispiel verstärkt auf die Verbesserung der Pünktlichkeit achten. „Trotzdem fühlen wir uns an vielen Stellen falsch und ungerecht behandelt.“ Zur Kritik an seiner eigenen Managerleistung sagte Mehdorn: „Wenn ich das Glück hätte, Porsche zu führen, wäre ich auch Manager Nummer eins in Deutschland.“

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