Schufa-Bilanz : Verbraucher kommen gut durch die Krise

Zwei Drittel der Verbraucher fühlen sich derzeit von der Finanzkrise nicht betroffen. Allerdings könnte sich dies nach Angaben von Rainer Neumann, Vorstandschef der Schufa, im nächsten Jahr ändern.

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Leichtes Geld Bei niedrigen Zinsen nehmen einige Verbraucher Kredite auf, obwohl sie gar keine brauchen. -Foto: dpa

Frankfurt am Main - Zwei Drittel der Verbraucher fühlen sich derzeit von der Finanzkrise nicht betroffen. Allerdings könnte sich dies nach Angaben von Rainer Neumann, Vorstandschef der Schufa, im nächsten Jahr ändern. „Sollte die Arbeitslosigkeit dramatisch steigen, wird sich auch die Zahl der Kreditausfälle erhöhen.“ 2009 war mit 2,4 Prozent die Ausfallquote sogar niedriger als ein Jahr zuvor mit 2,5 Prozent. Doch trotzdem ist die absolute Zahl der maroden Darlehen 2009 gegenüber 2008 um sieben Prozent gestiegen. Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres konnten 76 600 Kredite nach Angaben der Schufa nicht bedient werden.

„Wir können aber an der Zahl der Kreditausfälle nicht feststellen, dass die Verbraucher unter der Krise leiden“, sagte Neumann. Es sei auch nicht eindeutig zu erkennen, ob und wie sich das Kaufverhalten der Deutschen durch die Krise verändert habe. Insgesamt ist die Zahl der ausgereichten Konsumentenkredite in 2009 im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gestiegen.

Haupttreiber war dabei die Abwrackprämie für den Kauf eines neuen Autos, die Autokäufer durch eigene Mittel oder eben Kredite aufstocken mussten. Das zeigt sich daran, dass die Zahl der abgeschlossenen Kreditverträge von Quartal zu Quartal zurückgegangen ist. Im ersten Vierteljahr wurden noch rund zwei Millionen Darlehen abgeschlossen, im vierten Quartal – als die Abwrackprämie ausgelaufen war – waren es noch gut 1,7 Millionen. Insgesamt ließ die Abwrackprämie die Zahl der Konsumkredite 2009 insgesamt um zehn Prozent steigen.

Allgemein halten sich die Verbraucher bei Konsumkrediten nicht zurück. Sie selbst fühlen sich offenbar in der großen Mehrheit nur als Beobachter, nicht aber als Betroffene der Krise. Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Schufa unter rund 1900 Personen sehen 39 Prozent derzeit und auch in Zukunft keine Einschränkungen durch die Krise, weitere 27 Prozent sagen, sie seien derzeit nicht betroffen, befürchten aber in Zukunft Auswirkungen. Lediglich sechs Prozent der Befragten fühlen sich aktuell stark betroffen. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene schauen mit größerer Skepsis auf die Krise. Rund die Hälfte sagt, die Krise berühre sie schon oder werde sie treffen. Allerdings gilt dies weniger für Befragte mit guter Bildung und höherem Einkommen. Für Schufa-Chef Neumann ist es angesichts dieser Einschätzungen logisch, dass sich die Kreditvergabe weiter auf stabilem Niveau bewegt und zugleich die Ausfallquote sogar leicht gesunken ist. „Das kann sich aber ändern. Die Ausfälle hinken dem Anstieg der Arbeitslosigkeit zwischen drei und neun Monaten hinterher.“ Damit könnten die Kreditprobleme der Verbraucher tendenziell zum Jahresende zunehmen.

Die Ausfallquote wird im Gegenzug dadurch gebremst, dass immer häufiger auch Verbraucher Ratenkredite für Anschaffungen in Anspruch nehmen, obwohl sie gar keinen Kredit brauchen. „Bei Null-Prozent-Angeboten des Handels greifen auch immer mehr Menschen zu, die eigentlich das Geld hätten, gleich komplett zu bezahlen“, sagt Neumann. Die Wiesbadener Kreditauskunft Schufa verwaltet Daten von mehr als 65 Millionen Bundesbürgern. Das Unternehmen bietet seinen Kunden wie Banken, Sparkassen und Händlern Informationen, um diesen die Entscheidung etwa bei einer Kreditvergabe zu erleichtern.

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