Schufa-Bonitätsprüfung : Seehofer fordert mehr Verbraucherrechte

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hat bei der Bonitätsüberprüfung von Kunden, etwa bei der Kreditvergabe, mehr Einblicke für die Verbraucher gefordert.

Berlin - "Der Kunde hat ein Recht darauf zu erfahren, welche Informationen man über ihn erhebt und speichert und was damit gemacht wird", sagte Seehofer in Berlin auf einem Symposium zu dem Verfahren des so genannten Scoring. Eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Studie ergab, dass das Scoring in der Praxis gegen die Rechte und Interessen der Verbraucher verstößt. Die Kreditauskunft Schufa wehrte sich gegen die Kritik und betonte die positiven Effekte für Verbraucher und Kreditwirtschaft.

"Niemand, der an seinem Gegenüber zweifelt, wird ihm Kredit geben oder Ware auf Rechnung zusenden", betonte Schufa-Chef Rainer Neumann auf dem Symposium. Nur dank der Bonitätseinschätzung durch das Scoring könne der Verkäufer Vertrauen zum Käufer aufbauen. Dank der Bewertung könnten zudem mehr Kredite zu günstigeren Konditionen und bei weniger Ausfällen vergeben werden.

Die statistischen Verfahren, mit deren Hilfe Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden einschätzen, seien für die Verbraucher undurchschaubar, bemängelten jedoch die Autoren der Studie. "Eine Vielzahl von Merkmalen fließt in das Kredit-Scoring ein, deren Aussagekraft für die Bewertung der Kreditwürdigkeit fragwürdig ist." Verbraucherschützer kritisieren seit langem Merkmale wie die Wohngegend. Der Bankkunde muss womöglich mit einem höheren Zins rechnen, weil sich in seiner Nachbarschaft besonders viele überschuldete Haushalte befinden. Die pauschalisierte Beurteilung werde der individuellen Finanzlage der Kreditnehmer oft nicht gerecht, urteilten die Autoren der Studie.

Verbraucherschützer widersprechen der Schufa

Dem Argument, Scoring liege im Interesse der Kunden, können Daten- und Verbraucherschützer nicht folgen. Die Methode verhindere nicht die Überschuldung, da tief verschuldete oder insolvente Privatleute ohnehin eine schlechte Benotung und damit keine weiteren Kredite bekämen, erklärten die Autoren der Studie. Verlangen die Banken für höhere Risiken höhere Kreditzinsen, könne das eine bestehende Verschuldung dagegen noch verschärfen.

Die Schufa wehrte sich zudem gegen den Vorwurf der Intransparenz. Die Daten, die sie verwende, seien "absolut transparent". Die Verbraucher könnten diese jederzeit einsehen, betonte Neumann. Verbraucherschützer und die Autoren der Studie bemängelten dagegen, dass die Schufa und andere Auskunfteien die Berechnung des Scores aus den persönlichen Merkmalen wie Alter, Anzahl der Kinder oder Beruf als Geschäftsgeheimnis behandelten. Banken und Auskunfteien könnten von mehr Offenheit profitieren, erklärte Seehofer. "Transparenz hilft, falsche Informationen zu korrigieren und fehlerhafte Bewertungen zu vermeiden." (tso/AFP)

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