Wirtschaft : Schuhe

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PREIS DER WOCHE

Die Schuhverkäuferin am Berliner Winterfeldplatz hat wenig zu tun. Der Laden ist leer, ganz im Gegensatz zu den Cafés der Umgebung, die rappelvoll sind. „Die Leute kaufen kaum noch etwas", sagt die Verkäuferin, „die Schuhe sind wohl zu teuer geworden." Zum Beweis hebt sie einen schlichten schwarzen Damen-Stöckelschuh hoch, den ihr Chef mit 139 Euro ausgezeichnet hat. „Früher", sagt sie, „hätte man diesen Preis in Mark bezahlt." Macht der Euro nun auch die Schuhe (Foto: dpa) teurer?

Der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie streitet das ab. Zum Beweis holt Sprecher Horst Heid einen Stapel Zahlen aus der Schublade. Danach sind die Preise für Schuhe von Mai 2001 bis Mai 2002 zwar im Durchschnitt um 2,1 Prozent gestiegen, während der allgemeine Preisindex für Lebenshaltungskosten privater Haushalte im gleichen Zeitraum nur um 1,1 Prozent zugelegt hat. Aber grundsätzliche Aussagen möchte Heid daraus nicht ableiten. „Das sind normale, marginale Preissteigerungen." Im Vergleich mit der Teuerung in Restaurants geradezu ein Witz, meint der Schuhlobbyist.

Trotzdem sind die Schuhe viel teurer geworden. Das ist nicht Schuld des Euro, sondern ein Überbleibsel aus dem vergangenen Jahr, als wegen BSE und der Maul- und Klauenseuche monatelang viel weniger Rinder und Schweine geschlachtet wurden als vor der Krise. Das Leder wurde knapp – und die Einkäufer mussten mehr dafür bezahlen. Da das Material mehr als 40 Prozent des Schuhpreises ausmacht und 90 Prozent des Materials im Inland gekauft werden, mussten auch die Kunden draufzahlen. „Im letzten Jahr sind die Schuhpreise deutlich gestiegen", sagt Peter Köster, Einkäufer für Damenschuhe bei der Schuhkette Leiser. Mittlerweile sind die Seuchen kein Thema mehr. „BSE ist abgehakt, Maul- und Klauenseuche auch", sagt Verbandssprecher Heid. Und warum sind viele Schuhe dann trotzdem so teuer geblieben? Wahrscheinlich haben die Hersteller in der Hektik einfach vergessen, sie wieder billiger zu machen.pet

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