Wirtschaft : Schuhhändler mit reinem Gewissen

Maren Peters

Berlin - Den Zeichen seines Erfolgs kann man kaum entkommen: In jeder Fußgängerzone, jedem Einkaufszentrum gibt es mindestens ein Schuhgeschäft, das den Namen Deichmann trägt. Weltweit hat Heinz-Horst Deichmann, der am heutigen Sonnabend 80 Jahre alt wird, mehr als 90 Millionen Paar Halbschuhe, Sandalen und Stiefel im Jahr verkauft. Er ist damit größter Schuh-Unternehmer Europas. Die Geschäfte führt inzwischen sein Sohn Heinrich.

Deichmann ist einer der erfolgreichsten Unternehmer der deutschen Nachkriegszeit. Und er ist bekennender Christ, der jährlich mehrere Millionen Euro für sozial-missionarische Zwecke spendet. In seinem Buch „Christ und Unternehmer“ hat der vierfache Vater die Leitlinien seines unternehmerischen Handelns niedergeschrieben, Sätze wie: „Ich will, dass es meinen Mitarbeitern gut geht, dass sie sich wohlfühlen und dass ein anständiger Führungsstil herrscht.“ Und er hat sich selber daran gehalten. Deichmann wurde 1926 als Sohn eines kleinen Schuhhändlers in Essen-Borbeck geboren. Dort steht noch heute die Zentrale seines Imperiums. Nachdem die Wunden einer schweren Kriegsverletzung verheilt waren, stieg er zwar ins Geschäft ein, fing aber parallel dazu an, Theologie und Medizin zu studieren und arbeitete auch einige Jahre als Arzt. Erst 1956 wurde er Vollzeitunternehmer.

Seine Maxime klingt langweilig, war aber offensichtlich ziemlich erfolgreich: „Gute Schuhe für einen breiten Bevölkerungsanteil zu sehr günstigen Preisen“ wollte er verkaufen – und das hat er dann auch gemacht. Nach dem Vorbild amerikanischer Schuh-Discounter stellte er die Schuhe paarweise ins Regal, die Verkäuferinnen mussten dadurch weniger laufen. Auch seine eigenen Schuhe kommen aus Amerika, aber maßgefertigt und handgenäht. Ihm passe keine Konfektionsware, sagt Deichmann. Sein Fuß sei einfach zu schmal.

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