Wirtschaft : Schuldenabkommen für Indonesien

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die indonesische Regierung und die indonesische Wirtschaft können vorerst aufatmen: Nach dreitägigen Verhandlungen einigten sich Vertreter von 13 europäischen, amerikanischen und asiatischen Geschäftsbanken und die Verhandlungsdelegation der indonesischen Regierung am Donnerstag in Frankfurt (Main) auf ein Umschuldungspaket für rund 76 Mrd.Dollar, umgerechnet knapp 135 Mrd.DM.Der größere Teil dieser überwiegend privaten Schulden wird auf acht Jahre gestreckt mit einer tilgungsfreien Zeit von drei Jahren.Zinsen müssen allerdings gezahlt werden.Am 1.August soll das Abkommen in Kraft treten.Der indonesische Wirtschafts- und Finanzminister Ginandjar Kartasasmita lobte das Abkommen als wichtigen Beitrag, die gegenwärtigen Probleme des Landes in Griff zu bekommen."Mit der Vereinbarung wird der Druck von den Devisenmärkten genommen", sagte er.

Das Abkommen besteht nach Angaben von Wolfgang Wendt von der Deutschen Bank, der die Verhandlungen für die Kreditinstitute leitete, aus drei Komponenten: Um die Umschuldung für private Unternehmen zu ermöglichen, wird die Umschuldungsagentur INDRA - Indonesian Debt Restructuring Agency - gegründet.Sie untersteht der indonesischen Zentralbank und soll sich um die Abwicklung von Außenständen in Höhe von rund 60 Mrd.Dollar kümmern.Diese Schulden werden auf acht Jahre gestreckt, verbunden mit einer tilgungsfreien Zeit von drei Jahren.Indonesische Firmen, die derzeit ihre Auslandsschulden nicht bedienen können, können sich an INDRA wenden.Die Agentur schützt sie vor Währungsrisiken und schafft für die Firmen die Möglichkeit, Dollars zu beschaffen, um den Verpflichtungen nachzukommen.Nach Angaben des indonesischen Verhandlungsführers Radius Prawiro erfüllen aber nicht alle Unternehmen die Bedingungen zur Teilnahme an dieser Umschuldung, so daß noch unklar ist, ob es wirklich um 60 Mrd.Dollar geht.

Umgeschuldet werden zum zweiten auch Außenstände des indonesischen Bankensektors in Höhe von 9,2 Mrd.Dollar.Sie können gestreckt werden auf eine Laufzeit zwischen ein und vier Jahren.Schließlich geht es um fällige Handelskredite in Höhe von vier bis sechs Mrd.Dollar.Ihre Rückzahlung wird für mindestens ein Jahr gestreckt, damit der für Indonesien dringend nötige Außenhandel weiter finanziert werden kann.

Die indonesische Regierung und die Banken hatten seit Mitte April um eine Lösung für die Auslandsschulden gerungen, zunächst in New York und Tokio und seit Montag dieser Woche in Frankfurt.Die Verhandlungen waren vor allem deshalb nicht einfach, weil im Gegensatz zu früheren Umschuldungen mit lateinamerikanischen Staaten oder mit Rußland nicht öffentliche Schulden, sondern Außenstände von Unternehmen und Banken im Mittelpunkt standen.Nach Angaben von Verhandlungsführer Wendt wäre ein solches Abkommen auch mit der alten indonesischen Regierung möglich gewesen.Erleichtert worden sei die Einigung durch die "konstruktive" Haltung der indonesischen Delegation.

Weltbank-Vizepräsident Jean-Michel Severino lobte das Abkommen gestern ebenfalls.Es gebe Indonesien Freiraum für dringend notwendige soziale und wirtschaftliche Reformen.Es werde Druck von der indonesischen Rupie genommen."Der Plan kommt den Menschen in Indonesien zugute", betonte Severino.Die Weltbank könne jetzt möglicherweise früher als bislang geplant neue Kredite an Indonesien in Höhe von einer Mrd.Dollar freigeben.

Die Massenarbeitslosigkeit und die anziehende Inflation überschatten die Bemühungen Indonesiens um die Überwindung der Wirtschaftskrise.Nach Angaben der Regierung dürfte die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr auf 15,4 Millionen oder 17,1 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung steigen.Die Wirtschaftsleistung wird voraussichtlich um zehn Prozent schrumpfen, die Inflation auf 80 bis 85 Prozent schnellen.Der Internationale Währungsfonds hatte erst vor wenigen Tagen die wirtschaftliche Lage in dem Land als "bedrohlich" eingestuft.Der stellvertretende IWF-Direktor Stanley Fischer hatte eine baldige Wiederaufnahme der Auszahlung von Krediten aus dem IWF-Hilfspaket von 41,2 Mrd.Dollar in Aussicht gestellt.

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