Wirtschaft : Schuldenerlaß für Mittelamerika

WASHINGTON/MANAGUA (AFP).Angesichts der verheerenden Folgen des Wirbelsturms "Mitch" für Nicaragua und Honduras unterstützen der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank einen Schuldenerlaß für die beiden Länder.Die drei Finanzorganisationen teilten am Montag mit, die Last der Auslandsschulden solle den Wiederaufbau in den von "Mitch" verwüsteten mittelamerikanischen Ländern nicht behindern.Zusammen mit Nicaragua und Honduras würden deshalb so bald wie möglich eine detaillierte Aufstellung der Schuldenlast und Maßnahmen für einen Erlaß der Zahlungsverpflichtungen erarbeitet.IWF-Direktor Michel Camdessus sprach bei einer Pressekonferenz in Managua von einem Schuldenerlaß in Höhe von 80 Prozent.

Die Auslandsschulden Nicaraguas belaufen sich auf rund sechs Mrd.Dollar (etwa zehn Mrd.DM), Honduras ist mit 4,1 Mrd.Dollar belastet.Nach Angaben des nicaraguanischen Botschafters in den USA, Francisco Aguirre Sacasa, hätte der Schuldendienst unter normalen Umständen etwa 40 Prozent der Exporteinnahmen seines Landes verschlungen.Da "Mitch" aber eine Spur der Zerstörung in den ertragreichsten landwirtschaftlichen Gebieten hinterlassen habe, müsse mit einem drastischen Rückgang der Exporte gerechnet werden.

Mehrere Regierungen erließen den beiden am schwersten von "Mitch" betroffenen Ländern bereits im Alleingang einen Teil ihrer Auslandsschulden.Bei seinem Besuch in Mittelamerika hatte etwa Frankreichs Staatspräsident Jaques Chirac am Sonntag angekündigt, den Staaten Nicaragua, Honduras, Guatemala und El Salvador würden umgerechnet rund 226 Millionen Mark erlassen.Deutschland und Großbritannien haben ähnliche Schritte angekündigt.Bei einem Treffen mit Chirac lobte IWF-Direktor Camdessus die Initiative Frankreichs.Er hoffe, daß sich weitere Länder daran ein Beispiel nähmen, sagte er.

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