Schuldenkrise : Ackermann verhandelt hinter verschlossenen Türen

Josef Ackermann redet in Brüssel über die Rolle der Banken in der Schuldenkrise – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So mancher fürchtet deshalb um die Handlungshoheit der Politik.

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Keine Zeit. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat ein Fernsehinterview zur Krise abgesagt – offiziell aus Termingründen. Foto: dapd
Keine Zeit. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat ein Fernsehinterview zur Krise abgesagt – offiziell aus Termingründen. Foto:...Foto: dapd

Man hätte schon gerne gewusst, was Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu der aktuellen Krise zu sagen hat, wie bedrohlich die Lage für seine Branche ist, und wie sich die Banken an einer Lösung beteiligen wollen. Doch der Deutsche-Bank-Chef verweigert die Antwort, zumindest öffentlich. Am Dienstag sagte er ein geplantes Fernseh-Interview in der ARD ab. Vielleicht hat er aber auch einfach noch keine Antwort. Ackermann sei in Brüssel, erklärte ein Sprecher.

Der Bankmanager, der zugleich Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF ist, verhandelt dort offenbar über die Beteiligung der Finanzbranche an der Griechenland-Rettung. Ein EU-Diplomat sagte Reuters, der Bankchef habe am Vortag EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy getroffen. Dabei sei es auch um die ins Gespräch gebrachte Rekapitalisierung der europäischen Banken gegangen.

Am kommenden Wochenende werden die Staats- und Regierungschefs sowie die Finanzminister der EU tagen, um über eine Lösung der Schuldenkrise zu beraten. Während die Ratingagentur Moody’s Frankreich drohte, ohne entschlossenen Sparkurs sei die Bestnote „AAA“ für das Land in Gefahr, und Standard & Poor’s die Bonität von 24 italienischen Banken herabstufte, halten immer mehr Politiker einen größeren Schuldenschnitt für Griechenland für unverzichtbar.

Im Juli hatten sich die Banken bereit erklärt, 21 Prozent der Verluste zu tragen, die entstehen, wenn man die bestehenden Kredite verlängert oder die Zinsen senkt. Mittlerweile soll über eine Quote von mindestens 40 Prozent diskutiert werden. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte am Dienstag: „Zum Zeitpunkt X wird es eine Umschuldung geben müssen, einen Schuldenschnitt.“ Das würde die Banken, die Staatsanleihen aus den Schuldenstaaten halten, durchaus treffen. Darum wird seit Wochen parallel auch über eine Rekapitalisierung von Europas Geldhäusern diskutiert, notfalls durch den Staat. Wie empfindlich die Finanzbranche auf die europäische Schuldenkrise reagiert, lässt sich sogar im fernen Amerika beobachten: Die Investmentbank Goldman Sachs machte unterm Strich ein Minus von 428 Millionen Dollar (313 Mio Euro) im dritten Quartal, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch 1,7 Milliarden Dollar verdient hatte. Bankchef Lloyd Blankfein machte das unsichere wirtschaftliche Umfeld verantwortlich. Auch die Bank of America verbuchte im Investmentbanking wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar. Mit dem Gesamtgeschäft machte die Bank allerdings einen Gewinn von 5,88 Milliarden Dollar (4,25 Milliarden Euro).

In der Politik stieß Ackermanns Reise nach Brüssel auf Kritik. „Ackermann hätte die Chance gehabt, seine unsäglichen Äußerungen von letzter Woche über die Nicht-Verantwortung der Banken für die Finanzkrise zu korrigieren. Auch das unverantwortliche Verhalten von Banken hat zu den aktuellen Problemen beigetragen“, sagte der stellvertretende Fraktionssprecher der SPD-Fraktion, Joachim Poß. Sven Giegold von den Grünen hat ganz andere Sorgen: „Ich hoffe, dass Ackermann dieses Mal nicht direkt an den Verhandlungen des Europäischen Rates beteiligt ist.“ Dies sei eine „Infragestellung des Primats der Politik“.

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