Schuldenkrise : Euro-Zone rutscht in Rezession

Deutschland bleibt in einem schwächelnden Europa der Konjunkturmotor - doch das Tempo wird langsamer. In anderen Euro-Ländern ist die Lage dramatisch. In Frankreich stagniert die Wirtschaft, in den Krisenländern bricht sie ein.

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter, allerdings auf niedrigem Niveau.
Die deutsche Wirtschaft wächst weiter, allerdings auf niedrigem Niveau.Foto: dapd

Die deutsche Wirtschaft trotzt weiter der Euro-Schuldenkrise, verliert aber immer mehr an Schwung. Nach dem starken Jahresauftakt drosselte Europas Konjunkturlokomotive im zweiten Quartal das Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Zu Jahresbeginn hatte die Wirtschaft noch um 0,5 Prozent zugelegt.

Das zweite Quartal fiel allerdings etwas besser aus als von Ökonomen erwartet. Sie hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Noch skeptischer sind sie für das laufende Quartal.

Positive Impulse kamen von April bis Juni vom Außenhandel und vom Konsum. Nach vorläufigen Berechnungen stiegen die Exporte stärker als die Importe. Vor allem in Ländern außerhalb der Euro-Zone liefen die Geschäfte deutscher Exportunternehmen weiter rund.

Auch der Binnenkonsum lag über dem Niveau des Vorquartals. „Der starke deutsche Arbeitsmarkt in Verbindung mit niedrigeren Inflationsraten stützt den Binnenkonsum“, erklärte Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg-Bank. Die deutschen Unternehmen hielten sich wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise dagegen mit Investitionen zurück.

Im Vergleich zum zweiten Quartal 2011 legte das BIP in Deutschland unter Berücksichtigung der Inflation um 0,5 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger: Ohne diesen Effekt lag der Zuwachs bei 1,0 Prozent.

Deutschland steht damit deutlich besser da als viele andere Länder der Euro-Zone. Unicredit-Chefvolkswirt Andreas Rees sprach von einer eindrucksvollen Entwicklung. Erneut sei es der deutschen Wirtschaft
gelungen, sich von dem negativen Trend in der Eurozone abzukoppeln und besser abzuschneiden als andere Ländern im gemeinsamen Währungsraum.

Die zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft Frankreich wuchs im dritten Quartal in Folge nicht mehr. Das Statistikamt Insee registrierte auch für die Monate April bis Juni eine Stagnation im Vergleich zum Vorquartal. Bereits im Schlussquartal 2011 sowie im ersten Quartal war die Wirtschaft nicht gewachsen.

Insgesamt schrumpfte die Wirtschaft der Euro-Zone ist im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,2 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Brüssel mit. Analysten hatten mit diesem Ergebnis gerechnet. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung noch stagniert. Damit steckt die Eurozone in einer Rezession fest. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander entweder unverändert bleibt oder abnimmt.

Einen noch stärkeren Einbruch verhinderte Deutschland mit seinem robusten Wachstum. Österreich und die Niederlande schafften ein Plus von 0,2 Prozent, während in Italien das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent einbrach, in Spanien um 0,4 Prozent, in Zypern um 0,8 Prozent, in Portugal um 1,2 Prozent. Belgien meldete ein Minus von 0,6 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass die Euro-Zone in diesem Jahr um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen wird. 2013 traut sie ihr wieder ein Wachstum zu. In den nächsten Monaten wird sich auch Deutschland Ökonomen zufolge den Turbulenzen der Krise nicht entziehen können. Die Commerzbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,1 Prozent schrumpfen wird. „Die eigentlich wettbewerbsstarke deutsche Wirtschaft leidet unter den von der Staatsschuldenkrise ausgehenden Unsicherheiten und dem geringen Wachstum der Weltwirtschaft“, erklärte Chefvolkswirt Jörg Krämer. Sein Kollege Schulz erwartet, dass die Wirtschaft von Juli bis September stagniert, bevor es zum Jahresende wieder aufwärts gehen soll.

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