Schuldenkrise : Italien bittet Chinesen um Hilfe

13.09.2011 09:49 Uhr
Es ist ernst: Finanzminister Tremonti (l.) und sein Regierungschef Berlusconi müssen eine Lösung für das italienische Schuldenproblem finden. Foto: dapd
Es ist ernst: Finanzminister Tremonti (l.) und sein Regierungschef Berlusconi müssen eine Lösung für das italienische Schuldenproblem finden. - Foto: dapd

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der EU und gerät wegen seiner hohen Verschuldung an den Finanzmärkten immer wieder unter Druck. China soll nun als Retter auftreten - und hat daran ein durchaus großes Interesse.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti ist nach Regierungsangaben in der vergangenen Woche mit führenden Investment-Vertretern Chinas zusammengekommen. Zum Inhalt der Gespräche machte das Finanzministerium in Rom am Dienstag keine Angaben. Kreisen zufolge gehörten zur chinesischen Delegation der Chef der China Investment Corp. sowie für Investitionen und Rentenmärkte zuständige Regierungsvertreter.

Die Wirtschaftszeitung "Financial Times" hatte zuvor berichtet, Italien habe China um den Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil gebeten.


Das chinesische Außenministerium erklärte am Dienstag, die Regierung in Peking vertraue Europa bei der Bewältigung der Schuldenkrise. Die Volksrepublik hoffe, dass Europa die chinesischen Investitionen in der Region bewahren kann.

China hat ein durchaus großes Eigeninteresse an der Euro-Rettung. Weil rund ein Viertel der chinesischen Währungsreserven in Euro-Anleihen investiert sind, hat die Volksrepublik wiederholt ihre Unterstützung für die von der Schuldenkrise gebeutelte Währungsregion bekundet.

Die Furcht vor einem Bankrott in Europas größten Schulden-Brandherd Griechenland hatte zuletzt die Finanzmärkte erschüttert. Die US-Börsen und der Euro legten jedoch wieder zu, als die Nachricht von der Anfrage Italiens an China bekannt wurde.

Rom will mehr als 100 Milliarden Euro sparen

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und kommt konjunkturell nicht auf die Beine. Die Notenbank des Landes und der Internationale Währungsfonds trauen der Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch ein sehr geringes Wachstum zu. Zudem steht die Regierung in Rom wegen ihrer hohen Schuldenberge im Fokus der Finanzmärkte. Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen will Ministerpräsident Silvio Berlusconi bis Mittwoch ein striktes Sparpaket in Milliardenhöhe durch das Parlament boxen.

Das Sparpaket ist das zweite innerhalb von drei Monaten. In der vergangenen Woche hatte die Regierung das Maßnahmenbündel mit einem geschätzten Volumen von 54,2 Milliarden Euro per Vertrauensabstimmung im Eiltempo durch den Senat gebracht. Zusammen mit dem ersten Sparpaket vom Juli über 48 Milliarden Euro plant Rom mehr als 100 Milliarden Euro einzusparen. Auf diese Weise will das mit 1,9 Billionen Euro verschuldete Land 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen und sich aus der Schusslinie der Finanzmärkte bringen.

Italien war zuletzt wieder erheblich unter Druck geraten. Die Zinskluft zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen war vorvergangene Woche erneut rapide gestiegen. Die EZB hat Rom ermahnt, schnell ausreichende Maßnahmen zu verabschieden und sich nicht etwa auf den EU-Hilfen bei den Staatsanleihen auszuruhen. (rtr/dpa)

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