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Schuldenkrise : Ökonom will Griechenland zum Protektorat machen

Werden die Hellenen bald entmündigt? Mit Blick auf die bevorstehende Parlamentswahl fordert der Wirtschaftsexperte Thomas Straubhaar, Griechenland müsse ein europäisches Protektorat werden.

Passanten spiegeln sich in einem griechischen Wahlplakat.
Passanten spiegeln sich in einem griechischen Wahlplakat.Foto: dapd

Wirtschaftsexperten fordern eine Kehrtwende in der Griechenland-Politik. Griechenland sollte nach der Wahl am Sonntag zu einem europäischen Protektorat werden, sagte Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts, dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Das Land sei nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft gegen die Profiteure der aktuellen Krise zu wehren. Griechenland brauche „rat- und tatkräftige Unterstützung bei  der Schaffung funktionsfähiger staatlicher Strukturen“, betonte der Ökonom. "Aus diesem Grund wäre es klug, darauf hinzuarbeiten, Griechenland zu einem europäischen Protektorat zu machen", sagte Straubhaar.

In diesem Punkt sei die EU gefordert. Sie müsse Griechenland bei der institutionellen Modernisierung auf jeder Ebene, vor allem aber mit Verwaltungsangehörigen, Steuerfachkräften und Finanzbeamten unterstützen. Allerdings sei diplomatisches Feingefühl nötig, „um nationalen Stolz, Eitelkeiten und den Widerstand von Interessengruppen bei der Neugründung Griechenlands zu überwinden“, sagte Straubhaar.

 Rudolf Hickel, Professor für Politische Ökonomie in Bremen, forderte einen "mutigen Herkulesplan" für Griechenland. Schwerpunkte müssten "moderne Wirtschaftsstrukturen mit kleineren und mittleren Unternehmen, Anschluss an die internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie der Nachhaltigkeit dienende Innovationsprojekte und der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur", sagte Hickel.

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