Schuldenkrise : Privatisierung in Griechenland: Schrott statt Silber

Schuldenkrise in Griechenland: Der Staat will privatisieren, doch attraktiv sind seine Angebote nicht. Der Protest im Land nimmt zu und wird militanter.

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Protest. Griechische Angestellte der Telefongesellschaft OTE demonstrieren gegen den Verkauf an die Deutsche Telekom.
Protest. Griechische Angestellte der Telefongesellschaft OTE demonstrieren gegen den Verkauf an die Deutsche Telekom.Foto: Reuters

Athen - Rund 50 Milliarden Euro will die griechische Regierung bis 2015 mit dem Verkauf von Staatsbetrieben und staatlichen Liegenschaften kassieren – so hat es Athen den Eurostaaten und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zugesagt. Experten aber zweifeln, dass die Regierung genügend Investoren findet. Denn was jetzt als „griechisches Tafelsilber“ zum Verkauf kommen soll, ist in vielen Fällen eher Schrott.

Manche Betriebe schreiben chronisch rote Zahlen, andere haben viel zu viel Personal. Verkrustete Unternehmensstrukturen, unflexible Arbeitsgesetze und der Einfluss der militanten Gewerkschaften schrecken Investoren ab.

Beispiel Hellenic Telecom: seit 2008 ist die Deutsche Telekom als strategischer Investor mit 30 Prozent an dem früheren griechischen Staatskonzern beteiligt, der unter der Marke OTE firmiert. Jetzt will die Athener Regierung weitere 16 Prozent des Unternehmens verkaufen. Zehn Prozent muss die Deutsche Telekom übernehmen, zum Preis von rund 410 Millionen Euro. So sieht es eine bereits 2008 vereinbarte Verkaufsoption vor. Doch Telekom-Chef René Obermann zögert, auch die restlichen sechs Prozent zu übernehmen. Viel Freude hat die OTE der Deutschen Telekom bisher nicht bereitet: von den 3,8 Milliarden Euro, die sie bisher investierte, musste sie bereits 900 Millionen abschreiben. Die Festnetzsparte des Unternehmens hat zu viel Personal und massive Produktivitätsprobleme. Von den knapp 11 000 Beschäftigten haben drei Viertel einen beamtenähnlichen Status. Seit Donnerstag streiken die OTE-Beschäftigten gegen die weitere Privatisierung.

Mit ähnlichen Problemen kämpft der staatliche Stromversorger DEI: unkündbares Personal, militante Gewerkschaften, antiquierte Strukturen. Seit Jahrzehnten setzt das Unternehmen auf Stromerzeugung durch billige Braunkohle. Ab 2013 muss DEI Milliardenbeträge für CO2-Emissionsrechte aufwenden.

Die Postbank wiederum gilt wegen hoher Einlagen, eines soliden Kreditbuchs und eines dichten Filialnetzes eigentlich als attraktives Übernahmeziel. Doch in den Tresoren der Bank liegen Risiken: Das Institut hält griechische Staatsanleihen im Nennwert von 5,2 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als dem Fünffachen des Eigenkapitals. Selbst bei einem maßvollen Schuldenschnitt wäre die Bank pleite.

Hinzu kommt: Die Investoren wissen, dass der Staat verkaufen muss. Das drückt die Preise. Sieben der jetzt zum Verkauf vorgesehenen Staatsunternehmen sind bereits börsennotiert. Damit gibt es Anhaltspunkte für eine Bewertung der Firmen. Aber der Athener Aktienindex liegt wegen der Schuldenkrise auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Entsprechend mager dürften die Erlöse sein, selbst wenn es der Regierung gelingen sollte, die Aktien mit einem Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs an strategische Investoren zu verkaufen.

Unterdessen werden die Demonstrationen gegen den Sparkurs und die Privatisierungspläne der griechischen Regierung zusehends militanter. Auf der Insel Korfu warfen aufgebrachte Demonstranten in der Nacht zu Donnerstag Steine auf griechische und ausländische Politiker, die in einem Restaurant zu Abend aßen. Die Politiker mussten von der Küstenwache mit einem Boot in Sicherheit gebracht werden. Auch in Athen gab es Zwischenfälle: Demonstranten belagerten den Haupteingang des Parlaments. Sie beschimpften und bespuckten Abgeordnete, die das Gebäude zu verlassen versuchten.

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