Schuldenkrise : Sarkozys große Stunde

Seit einigen Wochen wirkt Nicolas Sarkozy sichtlich in seinem Element. Anders als Angela Merkel punktet Frankreichs Präsident daheim als Krisenmanager.

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In Umfragen aufwärts. Nicolas Sarkozy inszeniert sich als Retter Europas.
In Umfragen aufwärts. Nicolas Sarkozy inszeniert sich als Retter Europas.Foto: dpa

Paris - Europas Schuldenkrise und das milliardenschwere Rettungspaket haben Nicolas Sarkozy die Gelegenheit gegeben, sich als Krisenmanager zu präsentieren. Damit profitiert er auch im eigenen Land. Monatelang steckte er im Umfragetief, doch gerade stieg er drei Prozentpunkte nach oben. Sein außenpolitisches Geschick war offenbar für sein Image förderlich.

Sarkozy sieht sich als eine der führenden Figuren bei der Rettung der EU und erklärte sogar, dass die jüngsten Beschlüsse zu „95 Prozent“ auf französische Initiative zurückgingen. Laut der Tageszeitung „Le Figaro“ soll er zu seinen Mitarbeitern gesagt haben: „In Griechenland nennt man mich den Retter. Das ist für mich mal was anderes als das, was man über mich in Frankreich sagt.“ Er hat mit dem Rettungspaket auch sein Ziel einer stärkeren wirtschaftlichen Lenkung in Europa durchgesetzt. „Wir haben beschlossen, der Euro-Zone eine echte Wirtschaftsregierung zu geben“, betonte er.

Frankreich hat sich als eines der ersten Länder für Finanzhilfen für Griechenland ausgesprochen. Sarkozy hat sich, während Kanzlerin Angela Merkel noch zögerte, starke politische Partner gesucht. Er traf sich mehrmals mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und überzeugte schließlich den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), den Franzosen Jean-Claude Trichet.

Auch den französischen Sozialisten Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), den zu Anfang der Athenverhandlungen ursprünglich Kanzlerin Merkel ins Spiel gebracht hatte, gewann er für sein Ziel. Die französischen Sozialisten fordern schon lange eine stärkere wirtschaftspolitische Steuerung in Europa. Zusammen mit Trichet warb Strauss-Kahn für die Athenhilfe in Berlin und lobte im Nachhinein, wie entschlossen Sarkozy vorgegangen sei. Dabei sind Sarkozy und Strauss-Kahn innenpolitische Rivalen. Strauss-Kahn gilt als einer der aussichtsreichsten Herausforderer von Sarkozy bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2012.

Drei Franzosen sind damit maßgeblich am Rettungspaket beteiligt. Der „französische Plan“ sei von den Verantwortlichen in Europa angenommen worden, schreiben dazu Frankreichs Medien. Dieser Plan der Kreation eines Interventionsfonds, der in der Lage sein sollte, die Tendenz auf den Märkten zu beeinflussen, wurde von Sarkozys Wirtschaftsberater Xavier Musca ausgearbeitet.

Geholfen hat Sarkozy bei der Durchsetzung seine Erfahrung aus der Finanzkrise 2008. Damals wurde Deutschland kritisiert, weil es angeblich nicht schnell genug reagieren wollte. Diesmal suchte sich Sarkozy schnell europäische Partner, um Kanzlerin Merkel zum Einlenken zu bewegen. Zugleich betonte er wieder die deutsch-französische Achse, damit die Kanzlerin nicht als Verliererin dasteht.

Abgesehen von wenigen Äußerungen hielt sich Sarkozy in seiner Kommunikationsstrategie über seine Beteiligung am Rettungsplan erstaunlich stark zurück. „Da ist keine Demonstration notwendig, das sieht man von allein“, fasste sein Kommunikationsberater Franck Louvrier zusammen.

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