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Schuldenrückkauf : Guter Start für Griechenland

Athens Angebot zum Schuldenrückkauf kommt an den Märkten an. Das Programm der griechischen Regierung lässt den Kurs der Staatsanleihen kräftig klettern.

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Unter Druck. Auch wenn der Schulden-Rückkauf erfolgreich anlief, muss Finanzminister Yannis Stournaras weiter mit den anderen Regierungsparteien um die Steuerreform ringen.
Unter Druck. Auch wenn der Schulden-Rückkauf erfolgreich anlief, muss Finanzminister Yannis Stournaras weiter mit den anderen...Foto: dapd

Investoren haben den wichtigen Schuldenrückkauf Griechenlands positiv aufgenommen und den Anleihen des Landes am Montag kräftigen Auftrieb gegeben. Der Kurs der zehnjährigen griechischen Bonds schoss nach Veröffentlichung der Einzelheiten am Morgen um 4,31 Punkte auf ein 14-Monats-Hoch von 39,495 Zählern. Im Gegenzug sank die Rendite um fast zwei volle Punkte auf bis zu 14,56 Prozent. Auch am Aktienmarkt waren die Reaktionen positiv: Der Leitindex der Athener Börse stieg um bis zu zwei Prozent. Der Index für die griechische Bankenbranche stieg in der Spitze sogar um 5,6 Prozent. Die Geldhäuser gehören zu den größten Gläubigern des griechischen Staates.

Die staatliche Schuldenagentur PDMA veröffentlichte am Montag die Konditionen des Rückkaufprogramms. Es richtet sich an die Inhaber von 20 verschiedenen Bonds mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren, die im Februar beim Schuldenschnitt neu ausgegeben wurden. Wegen der schlechten Kreditwürdigkeit des Landes notieren die als „Ramsch“ eingestuften Papiere weit unter ihrem Nennwert. Darin liegt eine Chance für den griechischen Finanzminister: Er kann mit einem Einsatz von rund zehn Milliarden Euro Schulden von rund 30 Milliarden zurückkaufen. Unter dem Strich würde sich Griechenlands Verschuldung damit um 20 Milliarden Euro reduzieren. Die Preisspanne für den Rückkauf liegt, je nach Fälligkeit der Anleihen, zwischen 30,2 und 40,1 Prozent des Nennwerts. Das Angebot läuft bis zum Freitag, 18 Uhr.

Der Wertverfall griechischer Staatsanleihen galt früher als Teil des Problems in der Schuldenkrise. Jetzt sollen die Papiere auf Ramschniveau Teil der Lösung sein.
Der Wertverfall griechischer Staatsanleihen galt früher als Teil des Problems in der Schuldenkrise. Jetzt sollen die Papiere auf...Foto: dpa

Der Schuldenrückkauf ist Teil eines von den Euro-Finanzministern beschlossenen Maßnahmenbündels, mit dem Griechenland seine Schuldenquote von aktuell knapp 177 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung bis 2020 auf 124 Prozent drücken soll. Eine erfolgreiche Umsetzung des Programms ist Voraussetzung für die weitere Teilnahme des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Hilfsprogramm.

Doch auch wenn der Rückkauf die Erwartungen erfüllt, kann sich Ministerpräsident Antonis Samaras nicht zurücklehnen. Die wirtschaftliche Talfahrt setzt sich fort. Die griechische Zentralbank erwartet für 2013 einen weiteren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier bis 4,5 Prozent. Seit Beginn der Krise ist die Wirtschaft bereits um ein Fünftel geschrumpft. Das sei mit der Rezession nach der Weltwirtschaftskrise 1929 vergleichbar, heißt es im Halbjahresbericht der Notenbank, der am Montag dem Parlament vorgelegt wurde. Griechenland brauche dringend einen „nationalen Plan für Wachstum“, fordert Zentralbank- Chef Giorgos Provopoulos.

Nicht nur die Rezession bringt Samaras in Zugzwang. Auch in seiner Koalition knirscht es. Erbittert streiten die Partner des im Juni gebildeten Regierungsbündnisses jetzt über die geplante Steuerreform. So sollen die bisherigen Kinderfreibeträge bei der Lohn- und Einkommensteuer gestrichen werden. Für einen weiteren Schock sorgten am Montag unbestätigte Pressemeldungen, wonach bereits Jahreseinkommen ab 26 000 Euro mit dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent belastet werden sollen. Bisher sollte der Satz erst ab 48 000 Euro gelten.

In den Reihen der sozialistischen Pasok und der Demokratischen Linken, die den konservativen Premier Samaras stützen, wächst der Widerstand gegen den strikten Sparkurs. Oppositionsführer Alexis Tsipras appellierte am Sonntag auf einem Kongress seines Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) an die Delegierten, sich „mutig der Verantwortung zu stellen und dem Ruf der Geschichte zu folgen“. Seine Partei sei bereit für die Übernahme der Regierung. Tsipras erwartet, dass Samaras’ Regierung im Frühjahr scheitern wird und vorzeitige Wahlen herbeiführen muss. Im Fall eines Wahlsiegs will Tsipras die Kreditverträge Griechenlands einseitig aufkündigen und den Schuldendienst einstellen. (mit rtr)

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