Wirtschaft : Schuldenschnitt bei Solarworld

Der Rettungsplan verlangt Opfer von Eigentümern und Gläubigern / Frank Asbeck bleibt optimistisch.

Bonn - Die Eigentümer und Gläubiger der Solarworld AG müssen für die Rettung des angeschlagenen Unternehmens tief in die Tasche greifen. Mit wichtigen Gläubigern sei eine Einigung erzielt worden, die einen Schuldenschnitt vorsieht, erklärte das Unternehmen in Bonn. Dadurch sollen die langfristigen Verbindlichkeiten um etwa 60 Prozent verringert werden.

Im Gegenzug werden die Gläubiger im Rahmen eines drastischen Kapitalschnitts Haupteigentümer des Unternehmens und bestimmen damit künftig den Kurs mit. Die derzeitigen Aktionäre werden entmachtet. Die zuständigen Gremien müssen der Einigung noch zustimmen. „Für uns ist das so eine Art Insolvenz light“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Sowohl die Gläubiger als auch die Aktionäre sollen demnach große Opfer bringen. Beim geplanten Schuldenschnitt spreche das Unternehmen von einer vorläufigen Einigung, die noch unter Gremienvorbehalt stehe. „Solarworld geht von einer finanziellen Erleichterung aus. Ich sehe nach wie vor aber kein tragfähiges Zukunftskonzept“, kritisierte er. Der Konzern müsse seine Strukturen auf den Prüfstand stellen und anpassen. Nach wie vor sei Solarworld von der hohen Einspeisevergütung für Solarstrom in Deutschland abhängig und fordere von der Politik einen Schutzwall gegen chinesische Billigangebote.

Solarworld-Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck zufolge dreht das Management gleichzeitig an mehreren Stellschrauben: „Gerade durch die Einigung mit den Banken über ein Konzept bestätigt sich unsere positive Fortführungsprognose“, erklärte er. „Parallel dazu läuft die operative Restrukturierung verbunden mit weiteren Kostensenkungen.“ Solarworld habe weiter Interesse an Teilen der Bosch-Solarsparte. Asbeck ist größter Einzelaktionär von Solarworld mit bisher knapp 28 Prozent. Er wird durch die geplante Kapitalherabsetzung um etwa 95 Prozent künftig nur noch einen sehr kleinen Anteil in der Größenordnung von etwa einem Prozent besitzen.

Solarworld hatte 2012 schwach abgeschlossen: Der Umsatz schrumpfte von 1,045 Milliarden Euro auf 606 Millionen Euro. Der operative Verlust weitete sich um mehr als das Doppelte auf 492,4 Millionen Euro aus. dpa

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