Schuldenschnitt : Deutsche Banken ohne Angst vor Verzicht

Die deutschen Banken und Versicherungen haben ihre Anleihen in den vergangenen Monaten bereits kräftig abgeschrieben.

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Die Börse feiert. Finanztitel legten am Montag teilweise kräftig zu. Foto: Reuters
Die Börse feiert. Finanztitel legten am Montag teilweise kräftig zu. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Nicht nur die Staaten, auch die privaten Gläubiger sollen Griechenland auf die Beine helfen. 70 Prozent weniger sollen Banken, Versicherungen, Fonds und die Privatanleger für ihre griechischen Staatsanleihen bekommen, heißt es im Rettungspaket der EU. 70 Prozent Verlust – das klingt gewaltig. Dennoch legten Bank- und Versicherungsaktien am Montag teilweise kräftig zu und hievten den Deutschen Aktienindex auf ein neues Halbjahreshoch. Was paradox erscheint, hat einen einfachen Grund: Die meisten Institute können dem Schuldenschnitt gelassen entgegen sehen, weil sie ihre Griechenland-Papiere bereits kräftig abgeschrieben haben.

Beispiel Munich Re. In der Bilanz der weltgrößten Rückversicherung standen Griechenland-Anleihen Ende 2011 nur noch mit einem Wert von 400 Millionen Euro, Ende 2010 waren es noch 1,1 Milliarden Euro gewesen. Man habe die Papiere bereits auf ihren Marktwert abgeschrieben, und nicht auf „irgendwelche Pläne“ für den Verzicht der privaten Gläubiger geschaut, betonte Finanzvorstand Jörg Schneider kürzlich. Auch die Allianz, Europas größter Investor, hat den Rotstift angesetzt und ihre Griechenland-Papiere zum Ende September 2011 auf knapp 40 Prozent oder 497 Millionen Euro abgeschrieben. Neuere Zahlen will Allianz-Chef Michael Diekmann am Donnerstag bekannt geben. Nach Angaben des Versicherungsverbands hat die gesamte Branche weniger als 0,3 Prozent ihrer Kapitalanlagen von insgesamt 1,25 Billionen Euro in griechische Anleihen gesteckt.

Auch die deutschen Banken haben ihre Bilanzen kräftig bereinigt. Abschreibungen von 50 bis 70 Prozent sind keine Seltenheit. Dennoch summierte sich das Engagement der Branche Ende November 2011 nach Angaben der Bundesbank noch immer auf 20,7 Milliarden Euro, neuere Zahlen gibt es nicht.

Die Lasten sind jedoch ungleich verteilt. Allein die FMS Wertmanagement, die „Bad Bank“ der Skandalbank Hypo Real Estate, hat griechische Anleihen im Buchwert von 8,1 Milliarden Euro, hinzu kommen noch Kredite für das marode Euro-Land. Ein Schuldenschnitt würde bei der FMS Abschreibungen von rund sechs Milliarden Euro nach sich ziehen.

Die Commerzbank, die ebenfalls vergleichsweise stark in Griechenland engagiert ist, wäre nach Berechnungen des „Platow“-Börsenbriefs mit 800 Millionen Euro dabei. Dennoch schoss die Aktie am Montag um 3,5 Prozent in die Höhe. Die drohenden Abschreibungen seien „keine Überraschung“, hieß es an der Börse. Und: Die Hoffnung auf eine Rettung Griechenlands und damit auf Stabilität in der Euro-Zone wiegt schwerer als der Kummer über weitere Verluste.

Die Staatsbank KfW hält für den Bund noch Griechenland-Anleihen im Wert von 250 Millionen Euro, mehr als 60 Prozent sind bereits abgeschrieben. Die Krisenbank IKB hat ihre Papiere sogar von 211 Millionen Euro auf 38 Millionen im Wert berichtigt, das hat dem Mittelstandsfinanzierer die Bilanz verhagelt.

Und was ist mit den Privatleuten, die mit griechischen Anleihen spekuliert haben? Anlegerschützer empfehlen ihnen, den geplanten Schuldenschnitt trotz der damit verbundenen finanziellen Einbußen mitzutragen. „Es besteht das Risiko, dass die alten Papiere von Griechenland gar nicht mehr bedient werden“, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, dem Tagesspiegel. „Auch Privatleute werden daher nicht drum herumkommen, ihre höher verzinsten Anleihen in Papiere mit niedrigeren Zinsen umzutauschen“, betonte Kurz. Heike Jahberg