Wirtschaft : Schuldzuweisungen nach Firmenpleite

Neuköllner Gießerei mit 130 Mitarbeitern am Ende / Vorwürfe gegen den Konkursverwalter

BERLIN (alf).Mit scharfer Kritik am Konkursverwalter haben am Donnerstag Gewerkschaft, Belegschaft und Geschäftsführung auf das Ende der Produktion bei der Neuköllner Firma Fusor & Görler reagiert.Die vom Konkursverwalter Wolfgang Kühnel zum 1.September verfügte Einstellung der Produktion vernichte ein Unternehmen, das "in Berlin auf lange Sicht eine stabile Marktsituation vorgefunden hätte", so die IG Metall.Mit dem Ende des Herstellers von Druck- und Spritzgußteilen verlieren 130 Personen ihren Arbeitsplatz.Eine Auffanglösung ­ für die es nach Angaben des Unternehmens und der IG Metall einen ernsthaften Investorenpool gab ­ hätte möglicherweise 90 Arbeitsplätze retten können.Nicolas Köhler, Geschäftsführer des Unternehmens, sagte auf Anfrage, er habe beim Konkursverwalter "keine große Bereitschaft" gesehen, um die Firma zu retten.Arno Hager von der IG Metall zufolge hat sich Kühnel nicht ernsthaft um das Unternehmen bemüht.An einer Gesprächsrunde beim Senat habe sich Kühnel am vergangenen Montag nicht beteiligt.Rechtsanwalt Kühnel wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück.Er habe wochenlang mit zwei Investoren verhandelt, beide seien jedoch in der letzten Augustwoche abgesprungen.Über den zuletzt von der IG Metall ins Spiel gebrachten Investorenpool wisse er nur, daß dieser von einem Unternehmensberater vertreten werde; Namen der Investoren seien ihm nie genannt worden.An dem sehr kurzfristig anberaumten Treffen am Montag habe er nicht teilgenommen, da von den vermeintlichen Investoren keiner anwesend war.Im übrigen hätten ihm die Modalitäten des Konkursausfallgeldes keine andere Wahl gelassen, als zum 1.September Konkurs anzumelden: Konkursausfallgeld wird gezahlt für die letzten drei Monate vor Anmeldung des Konkurses.In diesem Fall also für Juni, Juli und August.Allerdings hatte die Belegschaft von Fusor & Görler vergangenen Freitag beschlossen, auf das Konkursausfallgeld für Juni zu verzichten und stattdessen eine Abschlagszahlung zu akzeptieren.Daraufhin hätte Kühnel den September gewonnen, um eine Investorenlösung zu finden.Diese Möglichkeit hat er jedoch nicht gesehen: "Ich brauche die Konkursausfallgeld-Zeiten nicht künstlich verlängern." Kühnel seinerseits wirft dem IG Metaller Hager Erpressung vor: "Herr Hager hat gesagt, wenn ich nicht außerhalb des Konkursausfallgeldes zahle, gibt es Krankmeldungen." Fusor & Görler war als Autozulieferer tätig.Nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft haben wirtschaftliche und Managementprobleme zur Krise geführt.Aufgrund der Verbindlichkeiten stellte die AOK Konkursantrag.Am 10.Juli wurde Kühnel als Sequester eingesetzt."Der letzte uns bekannte Investor hat am 3.9.verbindlich abgesagt", so die Wirtschaftsverwaltung.

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