Wirtschaft : Schulfach "Wirtschaft": Ökonomie wird an deutschen Schulen auch in Zukunft nicht gelehrt

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Trotz grundsätzlicher Übereinstimmung lehnte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Willi Lemke, am Montag die gemeinsame Forderung von Arbeitgebern und Gewerkschaften ab, ein solches Pflichtfach einzuführen. Der Bremer Bildungssenator hält die Forderung für "realitätsfremd". Es mache keinen Sinn, die "Welt in noch mehr Unterrichtsfächer aufzuteilen", erklärte Lemke und sprach sich stattdessen dafür aus, wirtschaftliche Themen stärker in anderen Fächern zu verankern als bisher. Zudem forderte er die Unternehmen auf, mehr Praktikumsplätze für Schüler und Lehrer anzubieten. Schule und Wirtschaft müssten enger verzahnt werden, sagte er.

Dagegen bekräftigten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ihre Forderung nach einem eigenen Fach "Wirtschaft". Sie überreichten Lemke ein entsprechendes Positionspapier. Dieses wird auch vom Deutschen Elternverein und dem Verband Deutscher Realschullehrer unterstützt. BDA-Geschäftsführer Reinhard Göhner kritisierte, dass bislang die Themen Wirtschaft und Berufsleben nur als Randthemen in anderen Fächern mitbehandelt würden. Fragen des Wirtschafts- und Beschäftigungssystems berührten jeden Einzelnen in der Gesellschaft in vielfacher Weise, so Göhner. Dennoch werde der ökonomischen Bildung im Schulalltag kaum die Bedeutung beigemessen, die ihr zukommen müsse. Dies führe dazu, dass die Kenntnisse der Schüler in Wirtschaftsfragen entsprechend gering seien. So seien nach einer Allensbach-Umfrage 30 Prozent der befragten Bürger der Meinung, dass der Staat die Arbeitsplätze schaffe.

Das für Bildung zuständige DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock kritisierte, die Schüler würden nicht ausreichend auf das Arbeitsleben vorbereitet und "ahnungs- und hilflos" den wirtschaftlichen und betrieblichen Mechanismen ausgeliefert. "Wenn Schule auf das Leben vorbereiten soll, darf Wirtschaft im Lehrplan nicht fehlen", sagte Göhner. Die BDA werde sich daher trotz des Neins der KMK weiter für ein eigenes Fach "Wirtschaft" einsetzen. Er verwies auf positive Beispiele in Bayern und Niedersachsen. Sehrbrock regte an, in den verschiedenen Ländern bereits unterrichtete Fächer wie Sozialkunde, Arbeitslehre und Wirtschaftslehre zu einem neuen Fach Wirtschaft zusammenzufassen.

Für Göhner gehört zu einer solchen Reform, dass für den Wirtschaftsunterricht auch nur Lehrer eingesetzt werden, die dieses Fach studiert haben. Die Lehrenden bräuchten differenzierte fachliche und didaktische Qualifikationen. Die Zusatzkosten schätzt er als eher gering ein. So könnte die Fachausbildung von den bestehenden Lehrstühlen für Wirtschaft übernommen werden.

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