Wirtschaft : Schulte stellt sich an die Seite Lafontaines

BERLIN (AP/ADN/Tsp).Ein europaweiter Beschäftigungspakt muß nach Ansicht des DGB-Vorsitzenden Dieter Schulte zur Zeit Vorrang vor dem Stabilitätspakt der Europäischen Union haben."Mir ist es lieber, daß man vorübergehend, um zu mehr Beschäftigung zu kommen, auch zu Lasten der Geldwertstabilität handelt", sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Montag im Deutschlandradio.Schulte schloß sich damit den Äußerungen des SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine vom Sonntag an.

Lafontaine hatte am Sonntag auf dem SPD-Parteitag eine Geldpolitik gefordert, die neben der "Wahrung" der Preisstabilität auch Wachstum und Beschäftigung fördert.Dies gelte besonders für die nächste Zeit im europäischen Rahmen.Diese Äußerungen und die Stellungnahme Schultes provozierten am Montag scharfen Widerstand in der künftigen Opposition.Der CDU-Wirtschaftsexperte Hartmut Schauerte warf Schulte vor, nichts dazugelernt zu haben.Die Äußerungen erinnerten an den SPD-Spruch der 70er Jahre: "Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit." Dies sei damals der Beginn des Marsches in die Arbeitslosigkeit gewesen.Schultes Auffassung sei deshalb eine "lebensgefährliche Sicht der Dinge".Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, sagte, Lafontaine habe klar gemacht, wie wenig ihm die Stabilitätsverpflichtung der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank bedeute.Wenn dies Schule mache, werde es nicht lange dauern, bis die Finanzmärkte das Vertrauen in die DM beziehungsweise in den Euro verlören.Die Folge seien dann höhere statt niedrigere Zinsen.Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer warnte, Inflation sei der "schlimmste Würgegriff" für die kleinen Leute.Der Staat könne über Kindergeld und Steuersenkungen gar nicht so viel an die Bürger verteilen, wie die Inflation wegnehme.Ein Prozent mehr Inflation bedeute 17 Mrd.DM weniger Kaufkraft.

Unterdessen rief der Vorsitzende der IG Chemie, Hubertus Schmoldt, mit den Vorstandschefs der Bertelsmann Stiftung und der BASF, Reinhard Mohn und Jürgen Strube, eine "Initiative für Beschäftigung" ins Leben.Zusammen mit weiteren Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wollen sie "regionale Netzwerke mit engagierten Entscheidern und Multiplikatoren" bilden, um Projekte für mehr Beschäftigung vor Ort anzustoßen und umzusetzen.Strube betonte, durch den Ansatz könnten kreative Einzelaktionen beschäftigungswirksam gebündelt werden.Die Initiative ist auf drei Jahre angelegt.Sie soll ein Zeichen für die Übernahme gesellschaftspolitischer Verantwortung und für konkretes Handeln der Akteure in ihrem jeweiligen Wirtschaftsbereich setzen.Die Initiative wird am 8.Dezember in Ludwigshafen vorgestellt.Die regionalen Netzwerke sollen dann im kommenden Frühjahr ihre Arbeit beginnen.

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