Wirtschaft : Schumachers Goldwaage

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Von Henrik Mortsiefer

Ulrich Schumacher hat aus der Krise der Halbleiterindustrie eine ganz persönliche Lehre gezogen: Der InfineonChef legt seine Worte bei öffentlichen Auftritten auf die Goldwaage. Früher bekannt für seine vollmundig-optimistischen – aber häufig leider falschen – Prognosen, gibt sich Schumacher heute konservativer als alle Wettbewerber und Branchenbeobachter. Mit Blick auf die erwartete Erholung der Chip-Industrie sieht er nur das, was ohnehin schon da ist: Infineon macht den ersten Quartalsgewinn seit mehr als zwei Jahren, nur ein Geschäftsbereich steckt noch in den roten Zahlen, die Preise für Speicherchips steigen wieder. Gute Nachrichten, die den Vorstandschef eigentlich ein bisschen glücklicher machen könnten, als er am Montag wirkte.

Doch die selbst verordnete Vorsicht ist begründet. Infineon hat den heftigsten Abschwung der Halbleiterindustrie nur mit drastischem Sparen, Entlassungen, Kooperationen und der Verlagerung von Konzernteilen ins Ausland bewältigt. Das lässt sich nicht wiederholen. Und obwohl Schumacher die Krise mit harter Hand bewältigt hat und der Marktanteil stieg, kann Infineon immer noch nur vier Prozent des globalen Geschäfts für sich beanspruchen. Auch bei der Rendite liegen die Deutschen im Vergleich der Chip- Konzerne nur auf Rang vier. Immerhin: Infineon ist für den Aufschwung besser gerüstet als man dem Berufsoptimisten Schumacher lange Zeit glauben mochte. Das gilt für 2004 und 2005. 2006 müsse Infineon sich schon wieder „richtig warm anziehen“, sagte er jüngst düster. Die Goldwaage wird der Infineon-Chef noch eine Weile brauchen.

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