Wirtschaft : Schumachers Nachlass belastet Infineon

Spekulationen um Rücktritt und Geschäfte des Ex-Chefs belasten den Halbleiterkonzern/Schwarze Quartalszahlen

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München (nad). Der Halbleiterhersteller Infineon wird an diesem Mittwoch nach Einschätzung von Analysten zum dritten Mal in Folge einen Quartalsgewinn ausweisen. Im Vergleich zum Vorquartal rechnen die Experten jedoch mit einer nachlassenden Gewinndynamik. Noch mehr als das schleppende Geschäft machen den Münchnern die anhaltenden Spekulationen um den Rücktritt von ExVorstandschef Ulrich Schumacher zu schaffen. Knapp einen Monat nach Schumachers überraschendem Abgang sucht Interims-Chef Max Dietrich Kley immer noch nach einem geeigneten Vorstandsvorsitzenden für das Unternehmen. In einem Interview griff Kley Schumacher jetzt erstmals scharf an: Ergebnis und Aktienkurs seien „absolut unbefriedigend“ gewesen, zitiert das „Manager Magazin“ Kley. Dies sei ein „inakzeptabler Zustand“ und Grund für Schumachers Demission gewesen.

Infineon hatte vor knapp vier Wochen erklärt, der Konzern werde auch im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 schwarze Zahlen schreiben. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 25 bis 45 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres waren es noch 70 Millionen Euro gewesen. Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum, als Infineon mitten in der Halbleiterkrise steckte, hat sich der Konzern aber gefangen: Damals war beim Ebit ein Minus von 223 Millionen Euro angefallen.

Analyst Bernd Laux von Credit Agricole glaubt, dass vor allem die gesunkenen Preise für Speicherchips (DRAM) für das schlechtere Ergebnis im zweiten Quartal verantwortlich sind. Ein Preisverfall bei den Speicherchips drückt bei Infineon stark auf den Gewinn, weil die Sparte Umsatztreiber des Konzerns ist. Da die DRAM-Preise seit März wieder anziehen, rechnet Laux aber mit einem positiven Ausblick auf das dritte und vierte Quartal. Der Zentralverband Elektrotechnik und -industrie rechnet früheren Angaben zufolge beim Halbleiterumsatz in diesem Jahr mit einem zweistelligen Wachstum.

Dass Infineon für das zweite Quartal schwarze Zahlen bekannt geben kann, dürfte Analysten zufolge auf das gute Geschäft der Sparten Mobilfunkchips und Automotive zurückgehen. Das Sorgenkind des Konzerns, die drahtgebundene Kommunikation, soll nach Unternehmensangaben erst im laufenden Quartal wieder profitabel sein.

Unterdessen erhalten die Spekulationen um die Hintergründe des überraschenden Rücktritts von Schumacher neue Nahrung. Wegen des unbefriedigenden Gewinns und Aktienkurses habe der Vorstand Schumacher entlassen, schreibt das „Manager Magazin“. Max Dietrich Kley suche jetzt einen Nachfolger, der „neben Branchenkenntnis und Technikverstand vor allem über Turnaround-Erfahrung verfügt“. Infineon dementierte den Bericht am Dienstag. „Herr Kley hat gesagt, dass der Aktienkurs und das Ergebnis unbefriedigend sind, dies aber nicht in Zusammenhang mit dem Rücktritt Schumachers gebracht“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Schumacher sei allein aus persönlichen Gründen zurückgetreten.

Infineon widersprach am Dienstag auch Gerüchten über dubiose Geschäfte beim Neubau der Konzernzentrale „Campeon“ in München unter der Leitung Schumachers. Laut „Manager Magazin“ soll der Auftrag für Planung und Bauleitung an das Architekturbüro TEC PMC der Brüder Knorr gegangen sein, obwohl zunächst ein anderes Büro damit beauftragt worden war. Die Knorr-Brüder sind Söhne von Jürgen Knorr, dem ehemaligen Leiter der Siemens-Halbleitersparte, aus der Infineon hervorging. Knorr gilt dem Bericht zufolge als Förderer Schumachers.

Ein Infineon-Sprecher sagte, ein Wechsel des Architektenbüros während der Planungsphase sei durchaus üblich. Das Projekt sei „nach wie vor auf Kurs“. Die neue Konzernzentrale, in der neun Münchner Standorte gebündelt werden sollen, soll spätestens Ende 2005 bezugsfertig sein.

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