Wirtschaft : Schutz vor Kündigungen in jedem vierten Betrieb

Berlin - In der deutschen Wirtschaft sind Beschäftigungsgarantien einer Studie zufolge weitverbreitet. Zu Jahresbeginn 2008 habe es in gut einem Viertel der Betriebe mit Betriebsrat eine vereinbarte Beschäftigungsgarantie gegeben, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf mit.

Solche betrieblichen Regelungen basieren auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Die Betriebe schließen über einen gewissen Zeitraum betriebsbedingte Kündigungen aus. Im Gegenzug machen die Beschäftigten Zugeständnisse: Beispielsweise akzeptieren sie längere oder kürzere Arbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleich und die Einführung von Arbeitszeitkonten. Den Betrieben erlaubt das einen flexibleren Einsatz der Arbeitskräfte. Wenn es dann zu Auftragsengpässen kommt, müssen die Unternehmen nicht sofort Kündigungen aussprechen.

Der Studie zufolge hat fast jeder zweite Großbetrieb solche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung. Dabei spielt die Größe eine Rolle: In 47 Prozent der Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten gibt es derartige Verträge. Bei Betrieben mit 200 bis 1000 Beschäftigen sind es noch 37 Prozent. In Unternehmen mit 50 bis unter 100 sind es 26, in Betrieben mit 20 bis 49 Beschäftigten haben nur noch 24 Prozent eine entsprechende Regelung ausgehandelt. Mehr als die Hälfte der betrieblichen Bündnisse zur Beschäftigung wurde den Angaben zufolge nach 2005 geschlossen.

„Die weite Verbreitung zeigt, dass die Beschäftigten und ihre Betriebsräte schon in den letzten Jahren viel getan haben, um ihren Betrieb und die Arbeitsplätze zu sichern“, sagt WSI-Leiter Helmut Seifert. Auch in der aktuellen Krise sieht er gute Möglichkeiten, über betriebliche Vereinbarungen betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Die Betriebe mit Beschäftigungssicherung hätten bereits einen besseren Puffer: „Unsere Befragungen zeigen, dass in letzter Zeit vor allem Ausweitungen der Arbeitszeit vereinbart wurden“, sagte Seifert.

In der repräsentativen Studie wurden mehr als 2000 Betriebsräte von Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten befragt. In Deutschland sind in derartigen Betrieben laut WSI rund 12 Millionen Menschen beschäftigt. mbr/dpa

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