Wirtschaft : Schwache Konjunktur kostet noch mehr Jobs Zuwachs nur bei Ich-AG und 400-Euro-Stellen

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Berlin In wichtigen Wirtschaftsbereichen gibt es nach wie vor kein Wachstum. Handwerk und Bau meldeten am Dienstag jeweils eher triste Branchenzahlen. Zudem fiel einer der wichtigsten deutschen Konjunkturindizes im Mai zum fünften Mal in Folge. „Die Konjunkturerholung ist alles andere als gesichert“, kommentierte Wolfgang Franz, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) das jüngste Ergebnis einer Umfrage bei 313 Analysten und institutionellen Anlegern.

Das Statistische Bundesamt teilte ebenfalls am Dienstag mit, dass es im ersten Quartal 37,7 Millionen Erwerbstätige in Deutschland gab – rund 140000 weniger als im ersten Quartal 2003. Dabei stieg die Zahl der Selbstständigen um 2,7 Prozent auf 4,2 Millionen. Dies hängt maßgeblich mit dem Erfolg der Ich-AG (siehe Lexikon) zusammen. Zuletzt waren knapp 124000 Personen registriert, die sich aus der Arbeitslosigkeit mit Hilfe öffentlicher Mittel selbstständig gemacht hatten. „Man darf sich von den Ich-AGs nicht ablenken lassen, die Beschäftigungskrise gilt auch für Selbstständige“, sagte FDP-Arbeitsmarktexperte Dirk Niebel auf Anfrage.

Von den knapp 38 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland sind inzwischen fast 28 Millionen im Dienstleistungsbereich tätig. Dass hier zusätzliche Stellen von den Statistikern registriert wurden, hängt mit den so genannten Minijobs zusammen. Im ersten Quartal waren rund 300000 Personen mehr in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen tätig als vor einem Jahr. Alles in allem arbeiten gegenwärtig mehr als 5,7 Millionen Personen für 400 Euro im Monat; die meisten davon im Dienstleistungsbereich.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) teilte am Dienstag mit, das Geschäftsklima habe sich gegenüber der vergangenen Herbstumfrage abgekühlt. Immerhin: Die aktuelle Lage beurteilten die Handwerker erstmals seit Jahren nicht schlechter. „52 Prozent der Betriebe im Westen und 51 Prozent im Osten berichten über eine befriedigende oder gute Geschäftslage“, sagte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Für dieses Jahr prognostiziert der ZDH Umsatzeinbußen von ein bis zwei Prozent. Die Zahl der Beschäftigten werde sich voraussichtlich um 100 000 bis 150 000 reduzieren. Derzeit sind gut fünf Millionen Personen im Handwerk beschäftigt.

Im Baugewerbe gab es in den ersten beiden Jahresmonaten ein leichtes Umsatzplus. Wie der Präsident des Deutschen Baugewerbes, Arndt Frauenrath, am Dienstag in Berlin sagte, werden die Bauinvestitionen hier zu Lande im laufenden Jahr um 0,8 Prozent sinken. Der Wohnungsbau werde aufgrund von vorgezogenen Projekten um 1,5 Prozent zulegen. Die geplante Abschaffung der Eigenheimzulage veranlasse viele Bauherren, den Hausbau vorzuziehen. Sollte die Eigenheimzulage abgeschafft werden, wie die rot-grüne Regierung wünscht, würde nach Angaben des Verbandspräsidenten die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe noch weiter steigen. Frauenrath schätzt, dass bei einer kompletten Streichung 200000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. alf/höl/fgl/rvr

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