Wirtschaft : Schwache Wall Street zieht wieder den Dax nach unten. Aktien verlieren gut zwei Prozent

Nach schweren Verlusten hat der Deutsche Aktien-Index am Donnerstag mit 127,20 Minuspunkten den Tag beendet. Der Schlussstand des Dax lag bei 5189,92 Zählern, das Tageshoch hatte bei 5340,65 Punkten gelegen. Insbesondere die schwach eröffnende Wall Street drückte auch den deutschen Markt kurz vor Handelsschluß noch einmal kräftig nach unten. Der Dow Jones fiel in der ersten Stunde um 179,20 auf 10 758,68 Punkte. Zuvor hatte das Handelsministerium mitgeteilt, dass die Auftragseingänge der US-Industrie im Juli um 2,1 Prozent gestiegen seien. Im Juni hatten sie nach revidierten Angaben um 0,8 Prozent zugenommen. Belebt wurde die Auftragslage besonders durch Bestellungen von Computern, Maschinen und Rüstungsgütern.

Die Auftragszahlen waren so gut, dass die Angst vor einer heiß laufenden Konjunktur und damit weiter steigenden Zinsen zunimmt. Diese Furcht verstärkt sich angesichts der Erwartung neuer Arbeitsmarktdaten am Freitag. "Eine Zinserhöhung ist ziemlich sicher", sagte ein Börsianer an der Wall Street. Die Kurse von Unternehmen, die unter höheren Zinsen stark leiden, sackten deutlich ab. Das sind insbesondere hoch verschuldete Technikunternehmen sowie Banken und andere Finanzdienstleister wie American Express, Citigroup und J. P. Morgan. Darüber hinaus gerieten die Aktien von Einzelhandelsunternehmen besonders unter Druck. Die Papiere von Wal-Mart und Sears verloren drastisch.

An den deutschen Börsen standen vor allem die Vortagsfavoriten Veba und Viag unter Druck. Auch Deutsche Telekom und SAP verbuchten überdurchschnittliche Verluste. Dabei hatte die gute Vorgabe der Wall Street vom Mittwoch den Dax am Donnerstagmorgen zu ersten Kursen auf 5340,65 Zähler steigen lassen. Später kamen größere Verkaufsorders für Mannesmann, Siemens und Veba in den Markt. "Dann ging es nur noch bergab", sagte ein Händler. Am Nachmittag, als die Wall Street mit rund 200 Minuspunkten eröffnete, fiel der Dax weiter. Das Tagestief lag bei 5184,01 Zähler. Nach dem Durchbruch unter die 5200-Punkte-Linie könnte es jetzt weiter bergab gehen. "Charttechnisch sind wir jetzt ziemlich angeknackst", sagte ein Händler. Unterhalb der Widerstandslinie sehe es jetzt nicht gut aus für den deutschen Markt. Derzeit gebe es kaum Argumente, die den Aktienmarkt aus dem Abwärtstrend ziehen könnten. Dabei sei insbesondere problematisch, wenn bis zur nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der amerikanischen Notenbank Ende Oktober die Unsicherheit über dem Markt liege. "Wir hangeln uns von einer Zahl zu anderen", sagte ein Händler mit Blick auf die US-Konjunkturdaten.

Schon am Vormittag drückten wieder aufkeimende Zinsängste auf den Bund Future und den Rentenmarkt. Das verstärkte sich mit den neuesten Konjunkturdaten. Außerdem schwächte ein starker Euro die erhofften Gewinne exportorientierter Unternehmen. Der Euro wurde am Abend mit mehr als 1,07 Dollar gehandelt. Ein Händler sprach zudem von einer "politischen Börse": Das Hin und Her um Sparpaket und Steuerreform vertreibe Investoren, meinte er.

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