Schwache Zahlen : Bertelsmann wird bescheiden

Hartmut Ostrowski, neuer Vorstandschef von Bertelsmann seit Januar, kämpft mit Umsatzrückgang und Gewinneinbruch.Der schwache Dollar macht dem Konzern zu schaffen.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann wird von Fehlinvestitionen in den USA und dem schwachen Dollar gebremst. Das schrumpfende Geschäft mit den Buchclubs, der Keimzelle des Unternehmens, könnte bald zum Verkauf stehen (siehe Kasten). Auch ein Ausstieg aus dem seit 2004 zusammen mit Sony betriebenen Musikgeschäft im kommenden Jahr ist nicht ausgeschlossen. Der Fernsehtochter RTL, die von allen Geschäftsbereichen den höchsten Umsatz und Ertrag beisteuert, geht es hingegen gut. Auch Dienstleistungen von Arvato waren 2007 gefragt. Der Buchverlag Random House litt unter dem schwachen Konsumklima in den USA, auch Gruner+Jahr tat sich beim Zeitschriftenverkauf schwer.

Insgesamt zog Hartmut Ostrowski, seit Januar 2008 Vorstandsvorsitzender, am Dienstag in Berlin eine ernüchternde Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres, in dem noch sein Vorgänger Gunter Thielen an der Bertelsmann-Spitze stand: Der Umsatz sank, vor allem wegen des Verkaufs der Musikverlage, um fast drei Prozent auf 18,8 Milliarden Euro. Wechselkurseffekte kosteten Bertelsmann rund 350 Millionen Euro Umsatz. Der Konzerngewinn brach ein – von 2,5 Milliarden Euro auf 405 Millionen Euro.

Neben schwächeren Geschäften machten sich hier vor allem Sondereinflüsse bemerkbar: hohe Wertberichtigungen bei der Direct Group Nordamerika, die Vergleichszahlungen im Napster-Streit sowie eine Kartellstrafe für den Werbevermarkter IP. Rechnet man die Sondereinflüsse heraus, lag der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern mit 1,8 Milliarden Euro drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Als teure Fehlentscheidung erwies sich der 2005 beschlossene Kauf des amerikanischen DVD-Versenders Columbia House, für den Bertelsmann mehr als 300 Millionen Euro bezahlt hatte. „Wir hatten andere Erwartungen an das Geschäft“, räumte Ostrowski ein. „Aus heutiger Sicht war der Kauf ein Fehler. Wir müssen die Investition abschreiben.“

Um die aktuelle Wachstumsschwäche zu überwinden, will das Bertelsmann-Management neue Schwerpunkte setzen, die dem Medienkonzern ein neues Gesicht geben könnten. „Wir werden Bertelsmann verändern und auf eine erfolgreiche Zukunft ausrichten“, sagte Ostrowski. So wolle der Konzern in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Euro in neue Geschäfte investieren – in den Bildungssektor, ins Internet und in Wachstumsregionen wie China, Indien und Russland. Auch die Komplettübernahme von RTL wird weiter angestrebt. Derzeit hält Bertelsmann 90 Prozent an der TV-Gruppe.

Angesichts hoher Finanzschulden, die nach neuer Berechnung Ende Februar bei 7,3 Milliarden Euro lagen, sind die Möglichkeiten, die Flaute schnell zu überwinden, allerdings begrenzt. Ostrowski setzt deshalb auf eine „Bereinigung des Portfolios“ und eigene Stärken. Das Geld für Investitionen soll aus Verkäufen bestehender Geschäfte sowie aus operativ erwirtschaftetem Ertrag kommen. „Bertelsmann muss in Zukunft stärker organisch wachsen“, sagte er. An eine langfristig nennenswerte Steigerung der Umsatzrendite glaubt Bertelsmann nicht mehr. „Wir sind mit zehn Prozent zufrieden“, sagte Ostrowski. 2007 lag die operative Umsatzrendite bei 9,7 Prozent.

Große Sprünge wird Bertelsmann auch 2008 nicht machen können. „Wir rechnen mit einem moderaten Umsatzanstieg“, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe. Das operative Ergebnis werde „auf oder leicht über dem Niveau von 2007“ liegen. Unter dem Strich werde Bertelsmann aber nach dem Wegfall der Sondereinflüsse deutlich mehr als im vergangenen Jahr verdienen. In den USA stellt sich der Gütersloher Konzern auf deutlich schwächere Geschäfte ein.

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