Wirtschaft : Schwacher Dollar – teures Gold

Die Anleger betrachten die US-Wirtschaft mit Sorge und flüchten ins Edelmetall

Felizitas Thom

Der Dollar wird immer schwächer, der Goldpreis steigt nahezu unaufhörlich. Am Dienstagmittag fiel die US-Währung auf ein Drei-Monats-Tief und kostete nur noch 0,8498 Euro. Dies entspricht einem Referenzkurs von 1,1768 Dollar je Euro. Am Montag waren es „nur“ 1,1579 Dollar gewesen. Im Verlauf des Abends konnte sich der Dollar stabilisieren, für einen Euro erhielt man 1,1760 Dollar. Experten gehen davon aus, dass der Dollar weiter an Wert verlieren wird.

„Gegen Ende des Jahres sehen wir den Euro bei 1,20 Dollar, in einem Jahr bei 1,25 Dollar “, sagt Michael Blumenroth, Edelmetallhändler der Deutschen Bank. „Wegen des Doppeldefizits in den USA geht mittelfristig nichts an einer weiteren Dollarabwertung vorbei. Den Euro sehen wir Ende 2004 bei 1,30 Dollar“, sagt Lothar Hessler, Senior Economist bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Investoren machen sich zunehmend Sorgen um das doppelte Defizit in den USA. Präsident George W. Bush hatte die Neuverschuldung stark ausgeweitet, zudem weisen die Vereinigten Staaten seit Jahren ein hohes Leistungsbilanzdefizit auf. Deshalb verlieren die Anleger ihr Vertrauen in die Stärke der amerikanische Wirtschaft und damit auch in den Dollar. Sie verkaufen den als „sicheren Hafen“ geltenden Dollar und investieren zunehmend in Gold – die weltweite „Fluchtwährung“ Nummer eins. Die Nachfrage nach Gold in Form von Wertpapieren steigt und damit auch der Preis für das Edelmetall.– auf 378,80 Dollar am Dienstagabend.

Aber auch die Nachfrage nach realem Gold hat sich im ersten Halbjahr 2003 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 1240 Tonnen erhöht. Davon fragen Anleger etwa 20 Prozent nach. Größter Käufer von Gold ist die Schmuckindustrie. Sie steht immerhin für 80 Prozent der Gesamtnachfrage.

Die Folge der weltweit gestiegenen Nachfrage: Bereits am 25. September war der Goldpreis auf 393,75 Dollar und damit den höchsten Stand seit sieben Jahren geklettert. Zwar brach er Ende der vergangenen Woche auf rund 366 Dollar ein, das aber war nur eine vorübergehende Schwäche, sagen Experten. Den Preis hätten vor allem Hedge-Fonds gedrückt.

Grundsätzlich sehen die Analysten den Goldmarkt nach wie vor positiv. „Vor ein paar Wochen war die 400-Dollar-Grenze schon in Reichweite. Damals hat es nicht geklappt. Aber wir rechnen mit einem Durchstoß bis Mitte November“, sagt Michael Blumenroth, Edelmetallhändler der Deutschen Bank. Bis April kommenden Jahres könnte der Preis seiner Ansicht nach sogar auf bis zu 450 US-Dollar je Unze steigen. Auch Lothar Hessler, Senior Economist bei HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht den Goldpreis zwar kurzfristig unter Druck, bis zum kommenden Frühjahr aber ebenfalls bei mehr als 400 Dollar. In den kommenden drei Monaten werde der Markt aber noch stark schwanken und sich zwischen den Marken von 370 und 400 Dollar bewegen, sagt auch Martin Marinov, Makrostratege bei Union Investment.

Der reale Goldmarkt ist ein relativ kleiner Markt, auf dem das Angebot knapper geworden ist. Im Jahr 2002 wurden 2587 Tonnen weltweit produziert. Ein Großteil des Goldes wird von den Zentralbanken gehalten: Die US-amerikanische Fed hält um die 8100 Tonnen, die Deutsche Bundesbank ist der zweitgrößte Goldbesitzer mit rund 3500 Tonnen. Dieses Gold aber kommt so bald nicht auf den Markt. Nach einem Abkommen von 15 europäischen Notenbanken dürfen diese bis September des kommenden Jahres insgesamt nur 400 Tonnen pro Jahr verkaufen.

Die südafrikanischen und australischen Minen haben das Angebot verknappt. Noch bis 2001 verkauften sie bis dahin nicht gefördertes Gold – in Angst vor weiter fallenden Preisen - im Voraus auf Termin. Das ist vorbei. Heute kaufen sie diese Terminkontrakte wieder zurück – das weltweite Angebot verringert sich.

Und dann gibt es noch einen Erfahrungswert, den alle Goldhändler im Kopf haben. „Der Preis von Gold ist in der Regel negativ mit dem Dollar korelliert“, sagt Martin Marinov, Makrostratege bei Union Investment. Sinkt der Kurs des Dollar, steigt der Goldpreis – und umgekehrt.

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