Wirtschaft : Schwacher Mobilfunk-Markt: Epcos dämpft die Erwartungen

cbu

Auch die Epcos AG, der in Europa führende Anbieter von elektronischen Bauelementen, bekommt jetzt die sich abzeichnende Schwäche am Mobilfunk-Markt zu spüren. Wie das Dax-Unternehmen gestern mitteilte, werde im laufenden und im nächsten Quartal mit einem geringeren Wachstum gerechnet. Dabei sei Epcos aber deutlich weniger tangiert als andere Wettbewerber, sagte der scheidende Epcos-Chef Klaus Ziegler. Grund sei die schwächere Nachfrage von Handy-Produzenten, die inzwischen an die Grenzen des Wachstums stoßen. Zu den wichtigsten Epcos-Kunden gehören unter anderem Siemens und Nokia, die beiden in Europa führenden Handy-Hersteller. Ab Sommer 2001 werde aber wieder mit einer "deutlichen Belebung des Mobilfunk-Geschäftes" gerechnet, hieß es.

Auch für das gesamte Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) ist Epcos angesichts der Unsicherheit an den High-Tech-Märkten etwas vorsichtiger geworden. Es werde mit einem Umsatzzuwachs von etwa 25 Prozent gerechnet. Die Marge bezogen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei rund 19 Prozent liegen. Zuletzt hatte Ziegler noch von einem Umsatzplus von 25 bis 35 Prozent gesprochen, die Ebit-Marge sollte bei mehr als 19 Prozent liegen. Epcos betonte gleichzeitig, dass die Abhängigkeit vom Mobilfunk nicht so groß sei. Zwei Drittel des Umsatzes würde mit Produkten für die Automobil-, Industrie- und Konsumelektronik gemacht. Hier sei die Nachfrage nach wie vor gut. Zwar verschlechtere sich derzeit auch die Auto-Konjunktur. Den Anteil der Elektronik in der Autoproduktion steige aber weiter deutlich an, sagte ein Epcos-Sprecher. Zudem sei der Konzern mit einem Umsatzanteil von 60 Prozent stark in Europa verankert. Der Heimatmarkt weise derzeit im Vergleich zu Amerika und Asien noch die stärksten Zuwachsraten aus. Die wichtigsten Wettbewerber von Epcos, insbesondere Weltmarktführer Murata, sitzen in Japan.

Im ersten Quartal 2000/01, also von Oktober bis Dezember, verzeichnete Epcos einen deutlichen Schub. So erhöhte sich der Umsatz den Quartalszahlen zufolge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 55 Prozent auf 369 Millionen Euro. Das Ebit konnte mehr als verdoppelt werden und liegt bei 127 Millionen Euro. Die Ebit-Marge erhöhte sich entsprechend auf 22 Prozent. Im ersten Quartal 1999/2000 hatte dieser für die Profitabilität wichtige Maßstab erst bei 15 Prozent gelegen. Der Gewinn je Aktie erreicht mittlerweile 1,37 Euro. Die Kapazitäten werden derzeit ausgebaut. Die Analysten zeigten sich zufrieden. Die Zahlen für das erste Quartal seien sehr gut ausgefallen, lobte etwa Jean Danjou von Credit Suisse First Boston (CSFB) in London. Zwar gehe auch CSFB von einer Reduktion der Nachfrage in den nächsten Quartalen aus. Langfristig stehe Epcos aber für eine "nachhaltige Wachstumsstory", sagte Danjou, der zum Kauf der Aktie rät. Insgesamt empfiehlt die überwiegende Mehrheit der Analysten das Epcos-Papier. DG-Bank-Analystin Ingrid von Hentschel sagte sogar, die Zahlen seien "extrem gut" ausgefallen.

Am Donnerstag reagierte die Aktie mit einem deutlichen Plus auf die Quartalszahlen. Schon am Vortag hatte Epcos im Gefolge der Siemens- und Infineon-Zahlen zugelegt. Gestern machte die in der Vergangenheit sehr volatile Epcos-Aktie in einem schwachen Markt zeitweise fast vier Prozent gut und gehörte zu den Tagesgewinnern. An Epcos sind Siemens und Matsushita mit je 12,5 Prozent plus eine Aktie beteiligt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben