Wirtschaft : Schwaches Jahresende für VW

Task Force soll Qualitätsprobleme beim Golf V verhindern/Autohaus Berlin: Die Kunden kaufen nicht

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Berlin (alf). Für VW endet ein insgesamt durchwachsenes Jahr mit einem Alarmsignal: Der neue Golf verkauft sich schlechter als erwartet. Von einer „ausgesprochen starken Zurückhaltung der Kunden“ spricht HansDieter Haag, Geschäftsführer der Autohaus Berlin Gruppe, einem der größten VW–Händler der Stadt. Der Preis von fast 20000 Euro für den Golf schreckt Haag zufolge so manchen potenziellen Käufer ab. Insgesamt sei der Autoabsatz im November und Dezember miserabel gewesen, was Haag auch mit der zähen Auseinandersetzung um die Steuerreform in Verbindung bringt. „Die letzten Wochen waren nicht zum Lachen“, beschreibt der Autohaus-Geschäftsführer den Berliner Automarkt.

Volkswagen hatte, wie berichtet, am Wochenende bekannt gegeben, vom Golf V in diesem Jahr statt wie ursprünglich geplant 135000 nur 110000 Stück produzieren zu wollen. Konzernchef Bernd Pischetsrieder erklärte das mit Produktionsproblemen. Der Golf wird in Wolfsburg, im sächsischen Mosel sowie in Brüssel gebaut. Der Bestseller war im Oktober auf den Markt gekommen, im kommenden Jahr will VW von seinem wichtigsten Modell 600000 Einheiten verkaufen.

„Die Produktqualität passt“

Autohaus-Geschäftsführer Haag sagte zu vermeintlichen Mängeln des Golf, „die Produktqualität passt“. Bei den ersten Autos habe es bisweilen Probleme gegeben, vor allem mit der Elektronik. Doch VW setze eine Task Force ein, die bei den Händlern alle Autos vor dem Verkauf inspiziere und gegebenenfalls Nacharbeiten veranlasse. Reklamationen von Golf-Käufern seien deshalb auch äußerst selten, sagte Haag. Ähnlich äußerte sich VW-Sprecher Fred Bärbock. Da die Qualität im Vordergrund stehe, habe es Verzögerungen in der Produktion gegeben.

In einem Interview mit der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ hatte Pischetsrieder am Wochenende eingeräumt, dass „wir der anvisierten Golf-Anlaufkurve um zwölf Tage hinterher laufen“. Das sei aber „kein Beinbruch“, weil „die Qualität hervorragend ist – und das ist mir wichtiger als alles andere“. Was die Produktionsprobleme beim neuen Golf anbelangt, meinte der VW-Chef, dass man „die Auswirkungen des Laserschweißens unterschätzt“ habe. Die vergleichsweise schwache Nachfrage führte er auf die Konjunktur zurück. „Es ist deshalb nicht so, dass sich die Aufträge bis an die Decke stapeln – das war beim Start des Golf IV noch ganz anders.“ Dennoch geht Pischetsrieder davon aus, dass der VW-Konzern mit den Hauptmarken VW, Audi, Skoda, Seat und Bentley im kommenden Jahr 5,3 Millionen Autos absetzt nach fünf Millionen in 2003.

Etwa 7000 VW und Audi, davon 3000 Neuwagen, wird das Autohaus Berlin in diesem Jahr verkaufen. Mit fünf Standorten, rund 400 Mitarbeitern und einem Umsatz von 120 Millionen Euro ist das Autohaus einer der größten VW-Händler in der Stadt. Das schwache Verkaufsgeschäft kompensiert das Autohaus mit Service und Reparaturen. Geschäftsführer Haag zufolge gibt es bereits erste VW-Händler, die den Golf mit Tageszulassung und das heißt, mit deutlichem Preisabschlag verkaufen. „Das ist tödlich“, schimpft Haag. „Manche Händler verlieren den Kopf.“ Mit größeren Rabatten könnten die meisten Händler überhaupt nicht mehr arbeiten, da auf Grund neuer Verträge mit VW die Handelsmarge gesunken sei. „Nachlässe sind kaum noch möglich“, sagt Haag. Dagegen würden Importeure wie etwa Peugeot und Renault noch immer mit Rabatten locken. Selbst die angekündigte Preiserhöhung habe keinen Nachfrageschub ausgelöst. VW erhöht nach Weihnachten die Preise um 1,6 Prozent und normalerweise veranlasst so eine Ankündigung zum Vorziehen des Autokaufs. Dieses Mal allerdings nicht. Auch gibt es, anders als sonst, in diesem Dezember „kein Jahresendgeschäft“, wie Haag sagt.

Die VW-Aktie stand am Montag unter Druck. In einem insgesamt unveränderten Markt büßte das Papier 2,5 Prozent ein und sank bis zum Börsenschluss auf 43,49 Euro.

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