Wirtschaft : „Schwärzestes Baujahr seit dem Zweiten Weltkrieg“ Umsatz sinkt um 13 Prozent –

87000 verlieren ihren Job

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Berlin (avi). Das Baugewerbe sinkt immer tiefer in die Krise: Um 12,7 Prozent ging der Umsatz in den ersten drei Monaten 2003 zurück. „Die deutsche Bauwirtschaft erlebt das schwärzeste Baujahr ihrer Nachkriegsgeschichte“, sagte Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, am Mittwoch in Berlin. „Eine konjunkturelle Trendwende ist für das laufende Jahr nicht zu erwarten.“ Nach Verbandsangaben sank der Auftragseingang im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent, 86700 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz beim Bau. Nach dem Ende des Golfkriegs hofft die Bauindustrie auf weniger dramatische Monate und rechnet mit einem Umsatzrückgang von sechs Prozent für das Gesamtjahr.

Die Bauindustrie sieht die angespannte Konjunkturlage als Hauptgrund für den Niedergang. Dies zeige sich vor allem bei der schlechten Entwicklung beim Wirtschaftsbau. Nach Angaben des Verbandes ging der Auftragseingang hier mit 22 Prozent im ersten Quartal deutlich stärker zurück als im Wohnungsbau (10,7 Prozent) und beim öffentlichen Bau (8,1 Prozent). Besonders stark war der Auftragseinbruch in Westdeutschland, wo im März 23,5 Prozent weniger Aufträge eingingen als im Vorjahresmonat. Im Gesamtquartal gingen die Aufträge im Westen um 16 Prozent zurück. Ostdeutschland konnte von einem FlutFaktor profitieren. Wegen des Wiederaufbaus nach der Oderflut vor allem in Sachsen sei die Nachfrage in den neuen Ländern mit elf Prozent weniger stark zurückgegangen als im Westen.

Verbandspräsident Walter forderte eine wachstumsorientierte Politikwende. Die Infrastruktur dürfe nicht „kaputtgespart“ werden. Die Investitionen in Straßen, Schienen und Wasserwege müssten um jährlich 3,5 Milliarden Euro gesteigert werden, um die Substanz zu erhalten. Dies könne zum Teil über neue Kredite finanziert werden. Noch aussichtsreicher sei jedoch ein Umstieg auf privatwirtschaftliche Finanzierung der Infrastruktur, zum Teil über Nutzergebühren. Ohne baldige Konjunkturbelebung befürchtet der Verband, dass die Anzahl der Beschäftigten in der Baubranche 2003 um weitere 60000 auf 820000 zurückgehen könnte.

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