Schwankende Aktienkurse : Riskanter Kick

Wie Anleger das Beste aus den seit Monaten schwankenden Aktienkursen machen: Es gibt auch Anlageformen, die von den Schaukelbörsen profitieren.

Veronika Csizi

Seit Anfang März sind die Märkte gefangen. Der Dax schwankt beharrlich zwischen 5800 und 6350 Punkten. Der amerikanische Dow-Jones-Index hat seit Herbst 2009 deutlich über zehn Mal die Marke von 10 000 Punkten gekreuzt, oszilliert zwischen knapp 10 000 und rund 11 000 Zählern. Schaukelbörse nennen das die Experten. Für den Anleger sind solche Seitwärtsbewegungen zermürbend, denn in den Depots tut sich unter dem Strich nichts. Allerdings gibt es durchaus auch Anlageformen, mit denen Privatanleger von der Unentschlossenheit der Märkte profitieren können.

Voraussetzung ist jedoch, dass der Anleger bereit ist, zu Zertifikaten zu greifen. Anders als Fonds bietet die Inhaberschuldverschreibung aber keinen Schutz vor einer Pleite des Emittenten, also der herausgebenden Bank. Die Einlagensicherung greift also im Fall einer Insolvenz nicht.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Bestimmte Zertifikate aus dem Spektrum der Genossenschaftsbanken und der Landesbanken sind abgesichert. Auch einzelne Banken bieten sogenannte „Safe“-Zertifikate an, für deren Insolvenzsicherung der Anleger allerdings zahlen muss. Zudem: Weil Zertifikate oft künstlich für bestimmte Börsenkonstellationen gestrickt werden, sind es meist hochkomplizierte Produkte. Nach Meinung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sollten sich deshalb nur solche Anleger an ein Zertifikat wagen, die Kostenstruktur und Funktionsweise „hundertprozentig verstanden haben“. Dann können Zertifikate durchaus zu ansehnlichen Gewinnen führen.

BONUSZERTIFIKATE

Speziell für monatelange Schaukelbörsen konstruiert sind Bonus- und Expresszertifikate. Sie bieten bei stagnierenden bis leicht steigenden Kursen attraktivere Renditen als der Markt selbst und arbeiten gleichzeitig mit Verlustpuffern. Ein Beispiel: Ein Bonuszertfikat auf die Deutsche Bank (die aktuell bei knapp 55 Euro notierte) läuft bis Ende Dezember 2010, hat ein Bonus-Level von 61 Euro und eine Barriere von 44 Euro. Kauft es ein Anleger aktuell zum Preis von rund 55 Euro, so kann er sicher sein: Wenn die Aktie der Deutschen Bank während der Laufzeit unter 61 bleibt, gleichzeitig nie die Verlustbarriere von 44 berührt, erhält der Anleger auf jeden Fall am Ende 61 Euro. Selbst ohne jede Bewegung der Aktie wäre damit, vor Steuern, eine Rendite von gut zehn Prozent drin. Steigt die Aktie über die obere Deckelung, dann profitiert der Anleger nicht mehr von weiteren Kursgewinnen. Berührt sie jedoch umgekehrt nie die Barriere des Zertifikats, dann kann der Anleger stets mit der Bonuszahlung rechnen. Sackt der Kurs jedoch darunter, ist der Bonus dahin und das Zertifikat wird zu einem regulären Aktien- beziehungsweise Index-Investment mit allen Risiken und Chancen. Manche Bonus-Zertifikate verzichten auf eine Obergrenze, arbeiten also ohne „Cap“, dafür ist meist der Verlustpuffer geringer. Wichtig: Die Finanzierung von Bonus und Sicherheitsnetz muss der Anleger bezahlen, meist durch den Verzicht auf die Dividende, manchmal auch durch ein Aufgeld, also einen Preisaufschlag im Vergleich zu Aktie oder Index. Erwartet ein Anleger einen Jojo-Markt mit Tendenz nach unten, so kann er auch zur umgekehrten Konstruktion greifen, einem Reverse-Bonus-Zertifikat. Hier wird der Bonus bis zu einem Kursniveau gezahlt, das deutlich unter dem aktuellen Marktwert liegt. Das Sicherheitsnetz greift dann entsprechend darüber.

EXPRESSZERTIFIKATE

Auch Expresszertifikate verfügen über einen Puffer nach unten und eine Deckelung nach oben. Im Unterschied zu einem Bonuszertifikat kann das Papier jedoch zu vorher festgelegten Terminen und fixen Bonussummen zurückgezahlt werden. Ein Beispiel: Ein Expresszertifikat auf den Euro-Stoxx 50 wird beim Stand von 2800 Punkten für 100 Euro verkauft. Der Verlustpuffer liegt bei 2000 Punkten. Notiert der Euro-Stoxx ein Jahr später auf oder über dem Startwert, wird das Zertifikat zu 100 Euro samt Bonus von beispielsweise 6,5 Prozent zurückgezahlt. Notiert der Index unter 2800 Punkten – aber nicht unter der Barriere – verlängert sich die Laufzeit um ein Jahr bis zur nächsten, höheren Tilgungsschwelle. Auch hier gilt: Das Zertifikat lohnt sich, wenn der Bonus am Ende höher ist als der Kursanstieg von Aktie oder Index. Bei stark steigenden Märkten ist ein Direktinvestment sinnvoller, weil der Anleger zusätzlich die Dividende kassiert.

BANDBREITEN-ZERTIFIKATE

Wer sicher ist, dass die Börse weiter schaukelt, kann auch ein Bandbreitenzertifikat wählen, das bei vielen Banken auch als Sprinterzertifikat oder Double- Chance- Zertifikat angeboten wird. Auch hier sind ein Anfangswert und ein Cap festgelegt – zwei Kursmarken, zwischen denen der Basiswert schwanken sollte. Alle Gewinne dazwischen werden je nach Ausstattung des Zertifikats erhöht, verdoppelt oder vervierfacht. Das Zertifikat vervielfacht (hebelt) also Kursentwicklungen, obwohl sich der Markt nur seitwärts bewegt – also weder anhaltend nach oben oder unten ausbricht. Mutige können auch mit höheren Hebeln verdienen, allerdings nur bei höherem Risiko. Dafür hat sich die Branche 2009 Inline-Optionsscheine ausgedacht. Dabei wettet der Anleger darauf, dass sich eine Aktie, eine Währung oder ein Index für bestimmte Zeit innerhalb einer Bandbreite aufhalten. Wer etwa glaubt, dass der Dax bis Ende September weder unter 5500 Punkte fallen noch über 6500 Punkte steigen wird, konnte am Mittwoch für 7,58 Euro einen Inliner der Commerzbank kaufen. Bei Fälligkeit am 30. September erhält er zehn Euro. Die Rendite läge, vor Kaufgebühren und Steuern, bei knapp 32 Prozent binnen acht Wochen. Berührt der Dax jedoch nur einmal eine der beiden Knock-out-Schwellen, ist der Schein sofort wertlos.

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