Wirtschaft : Schwarzarbeit wächst viel dynamischer als reguläre Wirtschaft

Das Wachstum der Schwarzarbeit wird das Wachstum des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um das Drei- bis Vierfache übertreffen. Zu diesem Schluss kommt das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in einer Studie, die gemeinsam mit dem Schweizer Schwarzarbeitsexperten Friedrich Schneider erstellt wurde. Danach gehen in diesem Jahr durch Schwarzarbeit voraussichtlich 350 Milliarden Euro an der regulären Wirtschaft vorbei, teilte das IAW am Mittwoch mit. Der Anteil der Schattenwirtschaft gemessen am offiziellen Bruttoinlandsprodukt steigt von 16 Prozent im vergangenen Jahr auf nun 16,5 Prozent. Hauptgrund für den Anstieg seien zu hohe Lohnnebenkosten, die legales Arbeiten unattraktiv machten. Einen Boom erlebe die Schwarzarbeit neben dem Bau vor allem im Handwerk, sagte IAW-Geschäftsführer Harald Strotmann. "Da geht es um Reparaturen im Haushalt oder am Auto." Aber auch bei Putzhilfen und bei Bedienungen in Gaststätten und Restaurants nehme die illegale Beschäftigung weiter zu.

In den meisten anderen westlichen Industrieländern nehme die Schwarzarbeit ab, betonte Strotmann. Die Zunahme gegen den Trend in Deutschland erklärte er mit hohen Lohnnebenkosten und der starken Regulierung am Arbeitsmarkt. "Für Sozialhilfeempfänger ist es derzeit rentabler, ein paar Stunden schwarz zu arbeiten, als offiziell einen Job anzunehmen." Mit den neuen Zahlen bekommt Strotmann zufolge auch die Kombi-Lohn-Debatte wieder neue Aktualität. Schneider sieht in der Bekämpfung der Schwarzarbeit vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe. Notwendig sei "ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, dass es sich bei Schwarzarbeit eben nicht um ein Kavaliersdelikt" handele.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben