"Schwarzbuch Börse" : Viele Dax-Konzerne stehen am Pranger

Skandale und Skandälchen erschüttern in zunehmendem Maße auch börsennotierte Unternehmen. Wer worin verwickelt ist und wie sich das auf die Anleger auswirkt zeigt das neueste "Schwarzbuch Börse".

München - Ungewöhnlich viele Großkonzerne von Altana über Tui und die HypoVereinsbank bis zur Telekom waren im vergangenen Jahr nach Einschätzung von Anlegerschützern in Skandale verwickelt. Das geht aus der am Montag in München vorgestellten Neuauflage des "Schwarzbuch Börse" hervor, in dem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) jedes Jahr über die Schattenseiten des Kapitalmarktes berichtet. Für Ärger und Kopfschütteln sorgten laut dem SdK-Pranger beispielsweise Sonderrechte für Großaktionäre bei ThyssenKrupp, schwarze Konten bei Siemens und die unrühmliche Ablösung von Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder.

Ausgerechnet mit Unterstützung von Gerhard Cromme, dem Vorsitzenden der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) und Aufsichtsratsvorsitzenden von ThyssenKrupp, habe der Stahlkonzern den Großaktionären kürzlich Sondervorteile zugeschanzt, kritisierte die SdK. Eine Stiftung habe jetzt das Recht, über die Köpfe aller anderen Aktionäre hinweg drei Aufsichtsräte zu bestimmen.

Intrigen bei Volkswagen

Genauso unschön seien die Vorgänge bei Volkswagen. Im Mai vergangenen Jahres wurde der Vertrag von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder bis 2012 verlängert. Anfang November habe Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Chef abgesägt und als Nachfolger seinen engen Vertrauten, Audi-Chef Martin Winterkorn, eingesetzt. "Wessen Interessen Piëch bei VW vertritt, ist klar: die von Porsche, wo er als Enkel von Firmengründer Ferdinand Porsche Stammaktionär ist", kritisierten die Aktionärsschützer.

Neben Skandalen und Skandälchen beschäftigte sich die SdK in ihrem aktuellen Schwarzbuch auch mit Zertifikaten, mit denen Banken vor allem konservative Anleger ansprechen. Dabei seien die eingebauten Kosten häufig erdrückend hoch, monierten die Experten. Bereits 2005 hatten die Aktionärsschützer die oft horrenden Kosten kritisiert, die die Geldhäuser in intransparenten Preisaufschlägen verstecken würden. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar