Wirtschaft : Schwarze Pumpe legt los

SCHWARZE PUMPE .Im Lausitzer Kohle- und Energierevier gibt es neben einer schweren Strukturkrise auch hoffnungsvolle Zeichen.Davon können sich Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) an diesem Mittwoch überzeugen: Sie werden das neue Braunkohlekraftwerk in Schwarze Pumpe im Süden Brandenburgs einweihen.

Mit diesem 1600-Megawatt-Kraftwerk hat die Vereinigte Energiewerke AG (Veag), Berlin, nach eigenen Angaben die modernste Anlage der Welt gebaut.Dafür wendete die Veag 4,5 Mrd.DM auf.Als für den Bau vor viereinhalb Jahren der Grundstein gelegt wurde, konnte man die gewaltigen Dimensionen dieser Anlage nur ahnen.Inzwischen gilt das über 160 Meter hohe Kraftwerk mit seinen beiden Kühltürmen als Wahrzeichen einer neuen Zeit im Revier.

Über ein Teilzeitmodell gibt die Veag in dem neuen Kraftwerk 317 Menschen direkt Lohn und Brot und sichert im Umfeld weitere hunderte Arbeitsplätze.Auf diese Weise stabilisiert das Unternehmen in der Region die Beschäftigungssituation, die seit 1990 drastische Einbrüche erlebte.In der Lausitz, die den Süden Brandenburgs und den Osten Sachsens umfaßt, ist jeder Vierte arbeitslos.Von den 75 000 Arbeitsplätzen zu DDR-Zeiten in der Lausitzer Kohle und Energie blieb nur noch etwa ein Viertel übrig.

Deshalb bedeutet das Kraftwerk Schwarze Pumpe (Spree-Neiße-Kreis) für die Menschen wieder ein wenig Hoffnung.Schornsteine sucht man dort vergebens, denn die Rauchgase entweichen durch die Kühltürme in die Atmosphäre.Zuvor werden sie von Staub und Schwefeldioxid gereinigt.

Bei voller Leistung werden in Schwarze Pumpe täglich 36 000 Tonnen Braunkohle aus dem benachbarten Tagebau Welzow gebraucht.Der Kohlebedarf liegt ein Drittel niedriger als bei älteren Anlagen an dem Standort.Dadurch wird auch ein Drittel weniger Kohlendioxid in die Luft abgegeben.Der Brennstoff kann zu 55 Prozent in andere Energien umgewandelt werden - ein Spitzenwert bei Braunkohlekraftwerken.

Der Energieerzeuger liefert Strom ans Veag-Verbundnetz sowie Fernwärme für die Orte Schwarze Pumpe und Spremberg in Brandenburg sowie Hoyerswerda in Sachsen.Außerdem gehen Dampf und Wärme an die Brikettfabrik Schwarze Pumpe der Lausitzer Braunkohle AG und an eine Ziegelei.

Der Industrieriese von Schwarze Pumpe gehört zu dem Investitionspaket von 20 Mrd.DM, mit dem die Veag ihre Leitungsnetze und Kraftwerke bis 2005 modernisiert und erneuert.Seit 1990 wurden davon nach Unternehmensangaben bereits 13 Mrd.DM realisiert.Bei den im Bau befindlichen sächsischen Kraftwerken in Lippendorf und Boxberg geht das Unternehmen schon wieder einen Schritt weiter - dort werden jeweils 900-Megawatt-Blöcke installiert.

Von dem neuesten Stand der Technik in Schwarze Pumpe können sich Kohl und Stolpe am Mittwoch ebenso überzeugen wie über 20 000 Besucher vor ihnen, die bisher die Kraftwerksbaustelle besichtigt haben.

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