• Schwarze Schafe unter grünen Anlageberatern - nicht alle ökologisch angehauchten Investments sind seriös

Wirtschaft : Schwarze Schafe unter grünen Anlageberatern - nicht alle ökologisch angehauchten Investments sind seriös

Hermannus Pfeiffer

Für Anleger birgt der unüberschaubare graue Kapitalmarkt ein großes Risiko. Trotz der erweiterten Befugnisse des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen kann von einer vollständigen Kontrolle nicht die Rede sein. Eine Anhebung des geforderten Qualitätsniveaus und umfassendere Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten wären auch für "Grün-Anlagen" sinnvoll. Denn im Schatten der namhaften Frontunternehmen, wie der Ökobank in Frankfurt am Main, tummeln sich mannigfache "Ökologische Vermögensberatungen", "Ethische Finanzplaner" und "Öko-Assekuranzmakler".

Der zeitweilige Boom hat einige schwarze Schafe in die grüne Familie verschlagen. Und noch mit einem zweiten Problem muss der neue Finanzmarkt leben: Mancher Berufsumsteiger, in der gesamten Finanzbranche sind dies mehr als die Hälfte, macht nun "in" Finanzdienstleistungen - "voll gut drauf" selbstverständlich. Postwendend rauscht der Neu-Anlageberater in die Vollen: "Viele Anlegerinnen möchten auch bei ihrer Geldanlage sauber bleiben", schrieb eine frauenbewegte Newcomerin in ihrem Rundbrief und empfahl einen Möchtegern-Grün-Fonds, der eigentlich leicht als Mimikry zu erkennen war. Zudem hatte just die Stiftung Warentest öffentlich auf dessen Macken hingewiesen: So sei eine Fondsbeteiligung von fünf Prozent in Bereichen wie Atomenergie oder Gentechnik möglich. Und warum der Europarat in Brüssel "ethischer" Geldanlagen bedurfte, wird ebenso das Geheimnis der Initiatoren bleiben, wie der Öko-Sinn einer Anlage in Aktien der Mannheimer AG, deren Gesellschafter seinerzeit die Deutsche und Dresdner Bank waren. Solches erfahren die Rundbrief-Leser der Ökofinanz-Beraterin nicht. Ebenso wenig wird die angehende Kundschaft auf die Kurs- und Währungsrisiken hingewiesen, welche der Fonds gleich mitbietet. Also Vorsicht: Versicherungen und Geldanlagen darf in der Bundesrepublik faktisch jeder vermitteln. Vertreter, Makler und Finanzverkäufer müssen keinerlei fachliche Qualifikation mitbringen. Hier klafft auch weiterhin eine verbraucher-gefährdende Rechtslücke.

Für Anleger birgt der grau-grüne Kapitalmarkt ein großes Verlustrisiko, wie erstmals im November 1993 der spektakuläre Absturz der Concorde-Artus Ethische Vermögensverwaltung demonstrierte. Einigen Finanzexperten galt Concorde-Artus noch Anfang der neunziger Jahre als "Pionier und Saubermann". Lob fand damals auch der Wiederanlage-Rabatt für ehemalige Kunden. Ehemalige Kunden gab es dann bald mehr als genug: Im November 1993 wurde das Konkursverfahren eröffnet.

Wie ehedem segelt auch heute mancher Bluffer und Betrüger auf dem Meer der Grün-Anlagen. Eine Mrd. DM zahlten Kleinanleger in die verschwundenen Kassen des European Kings Club. Den Köder bildeten gewagte Renditeversprechen plus eine grün angehauchte Ethik. "Der Club hat systematisch die Armen des Landes ausgeplündert", heißt es in der Urteilsbegründung gegen die 1997 verurteilten Manager. Gelockt wurden die Club-Kunden mit waghalsigen Zinsversprechen und ruhigem Öko-Gewissen.

Dem gleichen Strickmuster folgte die Hanseatische AG (HAG) in Hamburg. Bei ihr sollten die Superrenditen vornehmlich aus Blockheizkraftwerken in Ostdeutschland strömen, die zugleich Umwelt und Ressourcen schonen würden. Rund 60 000 Anleger dürften nach der HAG-Pleite im Sommer 1997 keine Mark mehr wiedersehen von ihren investierten 600 Mill. DM. Dabei hatte die HAG nicht nur mit ihrem BfG-Bankkonto Seriosität ausgeströmt, sondern auch mit einem allseits bekannten, nunmehr aber widerlegten Zitat geworben: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Diesmal bestrafte das Leben freilich die Überpünktlichen.

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