Wirtschaft : Schwarze Zahlen bei Herlitz

Nach zwölf Jahren erwartet der Konzern erstmals wieder einen Gewinn – aber in Berlin fallen 143 Arbeitsplätze weg

Anselm Waldermann

Berlin - Der traditionsreiche Schreibwaren-Hersteller Herlitz will in diesem Jahr erstmals seit 1994 wieder schwarze Zahlen schreiben. Das sagte der neue Vorstandsvorsitzende Jan van Riet bei der Vorlage der Bilanz am Freitag. „Unterm Strich gehen wir für 2006 von einem positiven Ergebnis aus.“ Dies sei auch die Erwartung der Aktionäre. Gleichzeitig bekannte sich van Riet zum Standort Falkensee bei Berlin. Zwar sollen in Berlin-Brandenburg 143 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Danach gibt das Unternehmen jedoch eine Beschäftigungs- und Standortgarantie bis zum Jahr 2011.

Seit Mitte der 90er Jahre hat Herlitz eine schwere Krise durchgemacht. Einen positiven Konzernbilanzgewinn verzeichnete der Markenhersteller zuletzt 1994. Im Jahr 2002 folgte dann die Insolvenz – unter anderem, weil sich das Unternehmen bei seiner Expansion in Russland übernommen hatte. Mit Erleichterung nahmen Vorstand und Mitarbeiter deshalb den Einstieg des US-Finanzinvestors Advent im Sommer vergangenen Jahres auf. Die Amerikaner halten derzeit 66 Prozent an dem Berliner Traditionskonzern. Zum Jahreswechsel löste dann Jan van Riet den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Christian Supthut ab, der in den Aufsichtsrat wechselte.

Bis Mitte 2007 will Herlitz nun seinen Produktionsstandort in Berlin-Tegel schließen und mit dem Standort Falkensee westlich der Stadtgrenze zusammenlegen. Der Umzug der Serviettenproduktion soll sogar schon im April dieses Jahres abgeschlossen sein. Nur der formale Firmensitz und die Verwaltung sollen langfristig in Berlin bleiben. „Dazu verpflichtet uns die Tradition“, sagte van Riet. Herlitz wurde 1904 von Carl Herlitz in Berlin gegründet. Allerdings könnte die Verwaltung innerhalb Berlins verlagert werden. „Der Mietvertrag in Tegel läuft Mitte 2007 aus“, sagte van Riet.

Mit dem Betriebsrat hat sich Herlitz auf einen Personalabbau von 143 Mitarbeitern geeinigt. Die Betroffenen werden von einer Transfergesellschaft übernommen. Darüber hinaus sollen 81 weitere Beschäftigte aus der Logistik in ein externes Dienstleistungsunternehmen ausgelagert werden. Dadurch sollen die übrigen rund 900 Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg gesichert werden. „Eine Verlagerung der Produktion nach Polen ist vom Tisch“, erklärte van Riet.

„Die Belegschaft akzeptiert die Vereinbarung – auch wenn das für uns nicht schön ist“, sagte Betriebsratschef Christian Petsch dem Tagesspiegel. Mit der drohenden Verlagerung nach Polen habe Herlitz erheblichen Druck ausgeübt. „Was also sollten wir machen?“ fragt Petsch. Nun muss noch die Gewerkschaft Verdi der Vereinbarung zustimmen. „Von unserer Seite wird es ein paar Ergänzungswünsche geben“, kündigte der stellvertretende Landesbezirksleiter Andreas Köhn bereits an. So dürften Auszubildende vom Personalabbau nicht betroffen sein. Eine Entscheidung will Verdi in der kommenden Woche fällen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Herlitz deutschlandweit 130 Arbeitsplätze abgebaut. Van Riet zufolge hat sich dies positiv auf das operative Ergebnis – also vor Steuern und Sonderaufwendungen – ausgewirkt, das um elf Prozent auf 6,1 Millionen Euro gestiegen war. Unter dem Strich blieb Herlitz jedoch mit einem Jahresfehlbetrag von 4,6 Millionen Euro in den roten Zahlen. Der Umsatz sank wegen Strukturbereinigungen um sechs Prozent auf 318 Millionen Euro. Für die Zukunft setzt Herlitz nun auf Produktinnovationen, das Dienstleistungsgeschäft und den Markt in Osteuropa. „Unser Ziel ist ein jährliches Umsatzplus von drei Prozent“, sagte van Riet.

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