Wirtschaft : Schwarzer Donnerstag an den Börsen Größter Dax-Verlust seit Ende 2008

Frankfurt/New York - Die Pessimisten hatten damit gerechnet, doch die Wucht des Absturzes überraschte dann doch viele: An den hochnervösen Aktienmärkten sind die Kurse am Donnerstag erneut abgestürzt. Nach fünf Handelstagen mit stabilen Kursen brach der Dax zeitweise um fast sieben Prozent ein und schloss mit einem Minus von 5,8 Prozent bei 5602 Punkten – der größte Tagesverlust seit November 2008. An der Wall Street sackte der Dow Jones zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent ab und schloss mit einem Minus von 3,7 Prozent. Der Euro geriet ebenfalls unter Druck.

Anders der Goldpreis: Auf der Suche nach stabilen Werten flüchteten Anleger erneut in das Edelmetall. Obwohl der Preis für die Feinunze in den vergangenen anderthalb Monaten schon um mehr als 300 Dollar gestiegen ist, kletterte er am Donnerstag weiter auf bis zu 1825 Dollar. So teuer war Gold noch nie.

Schon Ende Juli und Anfang August hatte eine schwarze Serie die internationalen Börsen in die Tiefe gerissen. Die Dimension der Kurseinbrüche hat mittlerweile das Niveau vom Herbst 2008 erreicht – die Zeit der Finanzmarktkrise im Zuge der Pleite von Lehman Brothers. Mit dem Verlust vom Donnerstag büßte der Dax nun einen großen Teil seiner Gewinne der vergangenen Woche wieder ein. Seit Anfang August verlor das Börsenbarometer mehr als 21 Prozent.

Der Dax war bereits schwach gestartet und brach am späten Vormittag plötzlich ein. Unerwartet schwache Konjunkturdaten aus den USA beschleunigten die Talfahrt. Am späten Vormittag hatten ungewöhnlich große Verkäufe im Dax-Future – das sind spekulative Wetten auf die künftige Entwicklung des Leitindex – den Dax tief ins Minus gedrückt. Als Auslöser des plötzlichen Sturzes galt zunächst eine versehentlich zu umfangreiche Verkaufsorder – ein „Fat Finger“. Börsianer sprechen von einem „Handel mit dickem Finger“, wenn im Computerhandel ein Eingabefehler unterläuft. Werden versehentlich zu hohe Verkaufsaufträge gegeben, hat das Folgen. Viele Händler in Frankfurt aber bezweifelten diese Version.

Verstärkend könnten sich im Computerhandel aber bestimmte Handelsoptionen auswirken: Viele Anleger geben ihrer Bank den Auftrag, Aktien automatisch zu verkaufen, sobald sie unter einen bestimmten Wert fallen – um drohende Verluste zu vermeiden. Bei fallenden Kursen gehen diese Verkäufe dann ohne menschliches Zutun über die Bühne und verstärken den Negativtrend noch.

Alle 30 Dax-Werte notierten im Minus. Besonders hart traf es die Commerzbank- Aktie, die mehr als zehn Prozent auf 1,89 Euro abrutschte. Titel, die sensibel auf trübere Konjunkturaussichten reagieren, wurden verkauft: Die MAN-Aktie verlor zehn Prozent, die Thyssen-Krupp-Aktie gab um 9,4 Prozent nach. mot/dpa

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