Wirtschaft : Schwarzlicht

Thomas Lackmann

Sie: schönste Saloniere von Berlin. Er: ein mickriges Männlein mit Mundgeruch und Zauberhänden. Sie: gebildet und praktisch. Er: ein Frauenversteher. Sie wartet Jahrzehnte auf ihn. Er wird zum Ehe-Märtyrer – mit einer anderen. Karikaturen zeigen sie als üppige Göttin, die ihn, den Gnom, im Strickbeutel trägt. Sie ist Jüdin und lässt sich taufen, als er, der reformierte Pastor, nicht mehr zu haben ist. Sie zeigt der Welt, „dass man die Romantik leben kann“.

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Aus der Beziehung zwischen der Witwe des Kant-Schülers Marcus Herz und Friedrich Schleiermacher, dem romantischen Theologen, hat Klaas Huizing einen unterhaltsamen Liebesroman gemacht: „Frau Jette Herz“. Die politischen Schlingerbewegungen zwischen 1796 und 1834 interessieren ihn dabei wenig. Okkulten Exzessen, mit denen Schleiermachers Gattin die schwarze Seite der Romantik feiert, räumt er mehr Platz ein. Vor allem aber interessiert ihn das Mysterium Sehnsucht, er flieht jedoch allzu oft – da Dokumente der Madame Herz kaum erhalten sind – bei der Beschreibung ihres Seelenlebens ins rhetorische Fragen („Konnte man solch ein Schicksal ertragen?“) Die Frage, warum Frauen Männer lieben, wird trotzdem fast beantwortet. Jedenfalls zeigen Schleiermachers zarte Worte, was Frauen hören wollen: „Mein Geschmack für das Unendliche findet bei dir Erfüllung.“ Jette ist selig, wenn er bei ihr auf dem Stuhl einnickt, ganz vertraut. Frauen und Männer passen wohl nicht zueinander; das verbindet sie.

Klaas Huizing: Frau Jette Herz. Roman. Albrecht Knaus Verlag, München . 319 Seiten, 19,90 €.

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