Schwarzmarkt : Daten zu haben

Wieder sind sensible Kundeninformationen im Umlauf – diesmal von AWD.

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Foto: dpadpa

Berlin - Christof H. reagiert gelassen, obwohl er gerade auf seinem Anrufbeantworter einen anonymen Anruf erhalten hat, der mit den Worten „Ich warne Sie!“ endete. Der frühere Universitätsprofessor hat nämlich im NDR ganz freimütig gesagt, was er von der neuesten Datenaffäre in Deutschland hält: „Das ist eine Sauerei.“ Dass seine persönlichen Versicherungsabschlüsse frei zugänglich sind, hält er für einen Skandal. „Am Montag gehe ich zu meinem Anwalt und spreche mit dem über eine Strafanzeige“, sagte Christof H. dem Tagesspiegel.

In den vergangenen Monaten hatten Datenpannen bei Unternehmen wiederholt für Aufsehen gesorgt, etwa bei der Deutschen Telekom. Auf dem Schwarzmarkt sind Bankverbindungen von mehreren Millionen Bundesbürgern illegal im Umlauf. Dem Rundfunksender NDR Info sind jetzt insgesamt 27 000 Datensätze mit 60 000 Vertragsangaben des Finanzdienstleisters AWD aus Hannover zugespielt worden. Von der einfachen Hausratversicherung bis hin zu Details über Geldanlagen ist alles dabei. Die Daten seien zwar einige Jahre alt, ein großer Teil der Verträge laufe aber noch.

„Da sind Versicherungssummen drin, Ablaufdaten. Jetzt weiß man, am soundsovielten September oder Dezember eines Jahres läuft ein Vertrag aus, und dann könnte man gezielt dort anrufen und sagen: Sie kriegen da jetzt Geld ausgezahlt, was wollen Sie damit machen, wollen Sie es neu anlegen“, sagte der Informant dem NDR. Die Daten seien ihm von einem AWD-Landesdirektor gegeben worden. Die Kundendaten stammen fast alle aus Nordrhein-Westfalen, einige aus Norddeutschland.

Der AWD bestätigte die Datenpanne, teilte jedoch mit, dass es bei den Daten „in Hinblick auf Authentizität von Stammdaten und Kundenummern Zweifel“ gebe. Zahlreiche Kundendaten seien veraltet oder nicht mehr existent. Weiter heißt es: „Es sind keine sensiblen Daten im Sinne des Datenschutzes in den vorgelegten Daten, insbesondere keine Konto- oder Bankverbindungen der Kunden, dies hat uns das Landesamt für Datenschutz bestätigt.“ Vor allem enthielten die Daten keine Gesundheitsinformationen. Inzwischen habe der AWD Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Hannover erhoben.

Über die Sensibilität von Daten kann man streiten. Dass jetzt irgendwelche Personen wissen, wann er und seine Frau ihre Lebensversicherungen in welcher Höhe abgeschlossen haben und wann sie fällig werden, findet AWD-Kunde Christof H. jedenfalls „ziemlich heftig“. vis

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