Wirtschaft : Schwebende Füße

-

Schön sind sie ja irgendwie alle. Passen würden sie auch in unser Wohnzimmer, die Sofas von Benz und Co, von den Bielefelder Werkstätten und Ligne Roset. Ich könnte sie mir mit den hübschesten Mustern vorstellen, so dass sie zum Dalmatiner der Nachbarn passen würden. Sofas gibt es schließlich in allen Farben und Formen, als Liegeinseln, Stehlandschaften oder auch höhlenförmig. Sie passen zum modernen Wohnen. Zu hellen, lichten Lofts. Oder zu riesigen Wohnzimmern, mit Parkett ohne Teppich. Nur, zu mir passen sie nicht. Rein praktisch gesehen.

Denn alle diese Sofas sind für riesige Lümmel mit gewaltigen Chipstüten und ColaBechern mit ellenlangen Trinkhalmen gemacht, die in Wohnhallen zu Hause sind. Oder für lange Karrieremänner. Leute, deren Anzüge selbst dann nicht knittern, wenn sie drei Stunden lang auf ihrem Monster-Sofa gehockt sind. Keinesfalls aber sind diese Sitzmöbel für das kleine Format gemacht. Kleine rundliche Menschen, die Ingwerstäbchen mögen. Menschen wie du und ich.

Beim Probesitzen im Wohnstudio plumpsen wir auf die Sitzfläche – und purzeln sofort hintüber. Anlehnen ist nicht. Zu weit weg, die Lehne. Praktisch gesehen. „Is zum Wohlfühlen, wa“, raunzt der baumlange Verkäufer und plumpst neben mich. Schuhe aus, Füße hoch und schon ist die Wohlfühlwohnhaltung perfekt. Sitzen soll man nicht auf den Sofas. Sondern relaxen. Wa.

Das nächste Modell: Wir lassen uns weit nach hinten fallen, erwischen tatsächlich das letzte Drittel der Sitzfläche, lassen den Rücken gegen die Lehne sinken. Gleichzeitig klappen vorne die Füße hoch – wie bei kleinsten Kindern, wenn sie im Bus auf einem Sitzplatz Halt suchen. Auf den Boden kommen wir mit den Füßen nicht. Macht man nicht mehr, erklärt der Wohnberater. Warum auch? Wer aufrecht sitzen und Kaffee oder Wein trinken will, der kauft einen Stuhl. Sagt der Sofa-Verkäufer. uwe

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben