Wirtschaft : Schwedische Lkw-Bauer begehrt

STOCKHOLM/WOLFSBURG (hst/HB/AP). Der Volkswagenkonzern läßt angeblich die Übernahme des schwedischen Lastwagenherstellers Scania prüfen. Einen entsprechenden Bericht der "Financial Times" wollte ein VW-Sprecher am Mittwoch jedoch nicht kommentieren. Der Konzern hat die feste Absicht, eine Lastwagensparte aufzubauen. Bisher scheiterten alle Übernahmepläne aber am Preis.Scania gehört zu den angesehensten Lastwagenmarken weltweit. Auch der schwedische Konkurrent Volvo ist an Scania interessiert und hat bisher 22 Prozent der Anteile erworben. Laut "Financial Times" spricht die von VW beauftragte Bank Salomon Smith Barney mit dem Scania-Hauptaktionär Investor, der rund 50 Prozent der Anteile hält. Bei der VW-Hauptversammlung Anfang Juni hatte sich Konzernchef Piëch die Möglichkeit genehmigen lassen, durch Kapitalerhöhungen 18 Mrd. DM in die Kasse zu bekommen. Das Geld könnte er für Übernahmen ausgeben.Doch nicht nur VW ist angeblich auf Freiersfüßen. Schwedischen Zeitungsberichten zufolge soll DaimlerChrysler an einer Übernahme von Volvo interessiert sein und General Motors (GM) derzeit die Gesamtübernahme von Saab Automobile vorbereiten. Vom 1. Juli dieses Jahres bis einschließlich Januar hat General Motors, die bislang 50 Prozent an Saab halten, eine Kaufoption auf die andere Hälfte, die sich noch im Besitz der Investmentgesellschaft Investor befindet. Verhandlungen über den Verkauf des Investor-Pakets an GM sind nach Informationen des "Handelsblatts" bereits eingeleitet worden. Somit sind alle drei schwedischen Fahrzeughersteller Gegenstand von Spekulationen.DaimlerChrysler hat am Mittwoch jedoch dementiert, mit Volvo über eine Übernahme zu verhandeln. "Wir haben keine Gespräche mit Volvo geführt", hieß es aus der Stuttgarter Konzernzentrale. Aus Göteborg war hingegen nur die Standarderklärung zu hören: "In unserer Branche sprechen alle mit allen". Nach einem Bericht der schwedischen Zeitung "Dagens Industri" soll der deutsch-amerikanische Konzern bereit sein, 150 bis 160 Mrd. Kronen (34 bis 36 Mrd. DM) für das schwedische Unternehmen zu bezahlen, das nach dem Verkauf seiner PKW-Sparte an Ford aus den Bereichen LKW-, Bus-, Flugmotoren-, Marinemotoren- und Baumaschinenproduktion besteht. Nach Angaben der schwedischen Wirtschaftszeitung würde DaimlerChrysler die Übernahme mit eigenen Aktien bezahlen. Die Volvo-Aktionäre erhielten damit einen Anteil von rund 15 Prozent am deutsch-amerikanischen Automobilkonzern. Sollte die genannte Summe stimmen, würde das einen Überpreis von rund 50 Prozent bedeuten, den der Stuttgarter Konzern zu zahlen bereit wäre. Allerdings dürften die Wettbewerbsbehörden in den USA und in Europa größere Bedenken gegen eine Volvo-Übernahme haben, da der gemeinsame Weltmarktanteil im LKW- Bereich bei rund 30 Prozent, bei Bussen sogar bei rund 35 Prozent liegen würde.

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