Wirtschaft : Schwedt fühlt sich abgehängt

DANIEL WETZEL

Unternehmen nach Milliarden-Investitionen unzufrieden / Autobahnanschluß und Hafen gefordertVON DANIEL WETZEL

Berlin/Schwedt.Der Stadt Schwedt droht die wirtschaftliche Auszehrung, wenn nicht schnellstens Straßen- und Wasserverbindungen in die uckermärkische Grenzregion ausgebaut werden.Hartmann Kleiner, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg, Bürgermeister Peter Schauer und die in Schwedt ansässigen Großinvestoren mahnten am Donnerstag vor Journalisten den zügigen Ausbau des Hafens, die Vertiefung der Wasserstraßen, die Schaffung eines neuen Grenzübergangs nach Polen sowie die schnellstmögliche Anbindung an die Autobahnen A 11 (Berlin-Prenzlau) und A 20 an."Der Ausbau weiterer Kapazitäten hängt für uns eindeutig von der Verbesserung der Infrastruktur ab", mahnte der Kaufmännische Leiter der Haindl Papier Schwedt GmbH, Georg Haindl. Der Augsburger Papierhersteller hat in der Oder-Stadt für rund 650 Mill.DM ein hochmodernes Werk errichtet, in dem aus Altpapier jährlich etwa 25 000 Tonnen Zeitungspapier hergestellt werden.Das Unternehmen beschäftigt 314 Mitarbeiter.Haindl nannte es unzumutbar, daß die A 11 etwa 35 Kilometer vor Schwedt ende, die Autobahn selbst wegen zahlreicher Baustellen und schlechter Wegstrecke kaum befahrbar sei.Die Just-in-Time-Produktion für Berliner Verlage sei so nur unter hohem Kostenaufwand aufrecht zuerhalten. Vom Schwedter Hafen - lediglich ein Bollwerk ohne Gleisanschluß - sei die Verschiffung des Zeitungspapiers über die Ostsee nicht möglich.Nach Süden hin verhindere die geringe Tiefe der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße den Schiffstransport.Der für 1998 geplante Neubau eines Hafens nördlich der Stadt sei überfällig, betonte Haindl.Hans-JÜrgen Sedlatschek, Produktionsleiter der benachbarten Schwedter Papier und Karton GmbH mit rund 480 Arbeitsplätzen, schloß sich den Forderungen an.Nötig sei angesichts sei auch ein neue Oderbrücke, damit die jährlich etwa 2,4 Millionen Fahrzeuge nicht direkt durch die Schwedter Innenstadt fahren müßten.Die nächsten Grenzübergänge nach Polen seien mit 40 Kilometern im Norden und 60 Kilometern im Süden zu weit entfernt.Schwedt sei als Knotenpunkt einer Querverbindung zu der polnischen Autobahn A 3 (Stettin-Posnan) geradezu ideal.Auch Hans-Otto Gerlach, Chef der Raffinerie PCK, die seit 1990 fast 2 Mrd.DM in Schwedt investierte und über 1600 Mitarbeiter beschäftigt, hält den Ausbau der Infrastruktur für überfällig: "Wir sind die einzige Raffinerie Europas ohne vernünftigen Straßenanschluß." Bürgermeister Peter Schauer zeigte sich zuversichtlich, daß das Wirtschaftsministerium in Potsdam die uckermärkischen Sorgen verstanden hat.Der Beginn der Hafenneubaus 1998 sei ein ermutigendes Zeichen.Weitere Maßnahmen seien aber dringend geboten: Wenn sich die wirtschaftliche Situation der Stadt nicht stabilisiere, drohe weitere Abwanderungen.Anfang der achtziger Jahre hatte Schwedt noch 52 000 Einwohner, heute sind es noch 46 000.Die Arbeitslosenquote liegt bei über 20 Prozent.Langfristig, schätzt Schauer, werde sich die Einwohnerzahl bei 40 000 einpendeln - mit einem überproportional hohen Anteil von 50 bis 65-jährigen.

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