Wirtschaft : Schwefelarmer Sprit in Sicht

BERLIN (alf). In der Bundesrepublik kommen voraussichtlich schwefelarme Kraftstoffe schneller auf den Markt als bislang geplant. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, daß schwefelarmes Benzin und Diesel unter 50 ppm (parts per million, Anteil eines Stoffs in einer Million Teile der Grundsubstanz) in Deutschland "wesentlich früher als nach EU-Recht vorgesehen eingeführt werden". EU-weit ist die Einführung für spätestens 2005 vorgesehen, hierzulande sollen die schwefelärmeren Kraftstoffe jetzt im Laufe des Jahres 2001 eingeführt werden. Darauf haben sich dem Ministerium zufolge Bundesregierung, Mineralölwirtschaft und Automobilindustrie in den vergangenen Wochen verständigt. Zur Zeit werde geprüft, wie die Einführung des umweltfreundlicheren Sprits steuerlich gefördert werden kann. Desweiteren wolle sich die Bundesregierung in der EU dafür einsetzen, "daß in wenigen Jahren europaweit nahezu schwefelfreie Kraftstoffe (mit einem Schwefelgehalt von weniger als zehn ppm) vorgeschrieben werden", heißt es in der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums.Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk, betonte gegenüber dem Tagesspiegel die Bedeutung des geringeren Schwefelgehalts: "Wir haben in Deutschland vielfach höhere Schwefelwerte als in Japan. Deshalb brauchen wir uns auch nicht zu wundern, daß das erste Fahrzeug mit direkt einspritzendem Otto-Motor aus Japan kommt. Gerade auch beim Diesel würde es uns sehr helfen: Wenn wir weniger Schwefel hätten, könnten wir den Partikelausstoß um bis zu 30 Prozent reduzieren", sagte Gottschalk. Da die deutschen Autohersteller gegenwärtig "moderne Motorentechnologien planen", sei die Einführung schwefelarmer Kraftstoffe dringend erforderlich. "Dahinter stecken schließlich Arbeitsplätze, denn wir haben weltweit einen Vorsprung bei der Motorentechnik, den es zu verteidigen gilt", sagte Gottschalk dem Tagesspiegel.Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung hat die Bundesregierung die steuerliche Förderung des schwefelarmen Sprits verschoben. Danach soll nun vom Oktober 2001 an die Mineralölsteuer für umwelfreundliches Benzin und Diesel um einen Pfennig gesenkt werden, herkömmlicher Kraftstoff werde dagegen um zwei Pfennige teurer. Dem Bericht zufolge haben die Ölkonzerne eine steuerliche Spreizung bereits vom nächsten Jahr an abgelehnt. Sie argumentierten, daß die Raffinerien erst 2003 umgestellt werden könnten. Daher würde Bonn in der Zwischenzeit ausländische Hersteller fördern, die bereits schwefelarmes Benzin nach Deutschland lieferten. Offenbar hat sich die Regierung diesen Bedenken angeschlossen. Normalbenzin hat derzeit einen Schwefelgehalt von 180 ppm, Diesel von 400 ppm. Die bei der Verbrennung ausgestoßenen Stoffe sind krebserregend.

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