Schwein, Rind, Pferd : Erstmalig weniger Fleisch produziert

Fleisch satt: Nach Jahren sinkt in Deutschland die Produktion. Auch der Konsum hat abgenommen. Über die Ursachen streiten sich die Experten.

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Unsicher, was drin ist? Deutsche griffen 2012 seltener zu Wurst. Foto: p-a/dpa
Unsicher, was drin ist? Deutsche griffen 2012 seltener zu Wurst.Foto: p-a/dpa

Berlin - 1,4 Millionen geschlachtete Schweine weniger: Nach Jahren des Wachstums ist die Fleischproduktion in Deutschland 2012 erstmals wieder zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, sank die produzierte Menge von 8,2 auf acht Millionen Tonnen – das entspricht einem Minus von 1,9 Prozent. Zwar sagt diese Entwicklung nicht zwangsläufig etwas über das Essverhalten der Deutschen aus. Laut der unabhängigen Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) war aber auch der Fleischkonsum im vergangenen Jahr merklich rückläufig. „Insgesamt ging der Absatz um 1,5 Prozent zurück“, bestätigt AMI-Mitarbeiter Tim Koch.

Eine Kehrtwende also? „Nicht unbedingt“, sagt der Marktbeobachter. Wegen schlechten Wetters sei vor allem weniger gegrillt worden im vergangenen Sommer, deshalb viel Fleisch in den Kühltruhen liegen geblieben. Mit dem Zurückfahren der Produktion habe die Industrie wohl weniger auf eine sinkende Nachfrage als auf einen schwachen Exportmarkt reagiert. „Deutschland produziert seit langem mehr, als es benötigt, zuletzt etwa 16 Prozent.“ Wegen der Finanzkrise habe sich im Ausland in den vergangenen Monaten aber weniger Fleisch verkaufen lassen. Auch die neue EU-Verordnung zur Sauenhaltung könnte Bauern bewogen haben, ihren Betrieb einzustellen, mutmaßt Koch. „Besonders kleinere Unternehmen haben sich die notwendigen Tierschutz-Investitionen vielleicht nicht leisten können.“

Pferdefleisch spielt kaum eine Rolle

Rückläufig war der Statistik zufolge in der Tat vor allem die Produktion von Schweinefleisch. Insgesamt wurden knapp 5,5 Millionen Tonnen produziert, das waren 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Analog zeigt sich aber beim Konsum die gleiche Tendenz: Auch hier verzichteten die Verbraucher in erster Linie auf Schweinefleisch, davon wurden bundesweit zwei Prozent weniger verzehrt. Der Wurstkonsum ging sogar um 2,8 Prozent zurück. Das derzeit viel diskutierte Pferdefleisch spielt mit einem Anteil von weniger als 0,2 Prozent am Gesamtmarkt eine minimale Rolle, allerdings wurde auch hier ein Rückgang von 2,3 Prozent verzeichnet. Bundesweit wurden 11 300 Pferde geschlachtet.

Während man beim AMI damit rechnet, dass der Absatz 2013 auf sein vorheriges Niveau zurückklettert, meinen andere durchaus einen Trend zur Fleischreduzierung ausgemacht zu haben. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Emnid zufolge wollen 51 Prozent der Deutschen ihren Fleischkonsum einschränken. „Die Diskussion um Massentierhaltung und Antibiotika im Fleisch hat sicher zum Rückgang des Konsums beigetragen“, sagt Marita Wiggerthale, Expertin für Nahrungsmittel bei der Hilfsorganisation Oxfam.

Das Tierwohl ist Kriterium beim Kauf

Dafür sprechen auch die Zahlen der Bio-Branche. Gegen den Trend hat hier der Absatz im vergangenen Jahr zugelegt. So kauften die deutschen Haushalte 18 Prozent mehr rotes Bio-Fleisch – also Rind, Schwein, Schaf und Ziege –, elf Prozent mehr Bio-Geflügel und acht Prozent mehr Bio-Wurst. „Die Verbraucher zeigen nun auch an der Fleischtheke, dass ihnen das Tierwohl wichtig ist“, sagt die Sprecherin des Bundes Ökologische Landwirtschaft, Joyce Moewius. In einer Infratest-Umfrage für das Bundesverbraucherministerium hatten 89 Prozent angegeben, dass es ihnen „sehr wichtig“ oder „wichtig“ sei, dass Lebensmittel aus besonders tiergerechter Haltung stammen. Es ist demzufolge auch ein wichtiges Kriterium beim Einkauf.

Das neue Tierschutzlabel, das Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und der Deutsche Tierschutzbund kürzlich vorstellten, gibt künftig auch für konventionell hergestelltes Fleisch eine Orientierungshilfe. Es legt verbindliche Standards für die Haltung und Fütterung der Tiere fest.

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