Wirtschaft : Schweinepreise: Sicherheit in Zeiten der Krise

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Die Angst geht um unter Deutschlands Schweinezüchtern. Langsam, aber unaufhaltbar ist die todbringende Maul- und Klauenseuche von der britischen Insel auf den Kontinent gewandert. Sie hat sich in Deutschlands Nachbarländern Frankreich und Holland eingenistet und nicht nur Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn hält es für mehr als wahrscheinlich, dass die Seuche bald über die Grenzen springen und auch Deutschland heimsuchen wird. Schon jetzt haben die Schweinepreise ihren Tiefstand erreicht. "Viele Erzeuger im grenznahen Bereich haben ihr Vieh in Panik verkauft, selbst wenn die Tiere noch nicht schlachtreif waren", sagt Christine Amling von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn. Ist die Seuche erst da, droht schlimmstenfalls die Vernichtung des gesamten Bestandes. Grafik:
Entwicklung des Schweinepreises Von der Not der Mäster profitiert nur einer: Deutschlands einzige Warenterminbörse in Hannover (WTB). Seit knapp drei Jahren werden hier neben Raps und Kartoffeln auch Schweine gehandelt. Und während auf dem freien Markt die Schweinepreise dramatisch fallen, steigen sie an der WTB kontinuierlich an. Kein Wunder, dass es immer mehr Landwirte und Mäster an die Börse zieht. "Die Zahl der Zulassungsanträge steigt täglich", sagt Wilhelm Nicolini, WTB-Makler von der Agrikon in Köln.

Für die Händler verspricht die Börse vor allem Sicherheit. "An der Warenterminbörse kann man die Preise zu eine bestimmten Termin durch einen Warenterminkontrakt absichern", sagt ZMP-Expertin Amling. Noch bevor der Schweinemäster seine Ferkel einkauft, kann er die Tiere zu einem Kurs, der in der Zukunft liegt - dem Schweinefuture - verkaufen. Er weiß dadurch genau, was er für die Viecher bekommen, wenn sie wenige Monate später schlachtreif sind. "Dadurch können die Produzenten ihr Risiko finanziell absichern", sagt WTB-Sprecher Hans-Philipp Flatt. Wenn die Preise zur Schlachtzeit unter dem Schweinefuture liegen, haben die Mäster Glück.

An der WTB wird seit Mitte Januar immer lebhafter gehandelt. "Die Zahl der abgeschlossenen Kontrakte liegt inzwischen bei 750 pro Tag", sagt WTB-Sprecher Flatt. Tendenz steigend. Vor der Seuche waren es nur halb so viele. Ein Kontrakt ist so etwas wie der Mindesteinsatz an der WTB: es umfasst ein Paket aus 90 Schweinen im Wert von rund 30 000 Mark. Bei 750 Kontrakten am Tag macht das einen Umsatz von rund 24 Millionen Mark - "das ist mehr als ein Drittel einer deutschen Tagesproduktion", sagt Flatt.

Den Schweinen kann es egal sein, wo sie gehandelt werden - sie bleiben auf jeden Fall im heimischen Stall im Allgäu, in Schleswig oder Schwäbisch-Hall. "An der Börse werden reine Finanzgeschäfte abgewickelt", sagt Schweinemakler Nicolini. "Tiertransporte werden durch den Handel nicht gefördert." Die Warenterminböre ist nur eine elektronische Handelsplattform, an die Börsenteilnehmer angeschlossen sind und - wie an normalen Börsen auch - in Sekundenschnelle ihre Order loswerden können. Und wie bei einer gewöhnlichen Wertpapierbörse können auch hier die "Privaten" nicht direkt handeln, sondern müssen ihre Kauf- oder Verkaufsaufträge an die zehn zugelassen Makler weitergeben, die das Geschäft für sie erledigen.

Das allerdings scheint vielen noch zu kompliziert zu sein. Nur wenige Bauern und Mäster handeln ihr Vieh an der Warenterminbörse. Viehexpertin Amling kann das nachvollziehen. "Ich würd es niemandem empfehlen, der sich nicht im Markt auskennt." Man müsse schon wissen, wie sich die Schweinepreise entwickeln. "Aber profitieren können alle davon." Wohin die Schweinepreise gehen, wagt im Moment keiner vorauszusagen. Wenn MKS das Nachbarland Dänemark heimsucht, dessen Hauptexportländer die Grenzen dichtmachten, dann "werden die Dänen versuchen, ihre Schweine in Deutschland loszuwerden", sagt Amling. Das vergrößert das Angebot, drückt die Preise. Und wird vielleicht noch mehr Erzeuger an die Warenterminbörse bringen.

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