Wirtschaft : Schweizer beflügeln Commerzbank-Gerüchte

Großanleger Ebner und BZ-Gruppe im Zentrum des Interesses / Kurs streift Allzeithoch

FRANKFURT (MAIN) (rtr).Vor dem Hintergrund neuer Übernahmegerüchte um die Commerzbank AG halten Analysten einen Einstieg Schweizer Banken oder Investoren bei dem Frankfurter Kreditinstitut für durchaus möglich.Im Mittelpunkt der Überlegungen standen dabei am Mittwoch der finanzstarke Großanleger Martin Ebner und seine BZ-Gruppe.Berichte, Ebner halte bereits 15 Prozent an der Commerzbank, ließen sich zwar nicht erhärten."Die BZ könnte sich aber an der Bank beteiligen, um sie zu einer Fusion mit einem anderen Institut zu drängen", sagte Bryan Crossley, Bankanalyst bei ABN Amro Hoare Govett. In Frankfurter Bankenkreisen hieß es, von einer Ebner-Beteiligung an der Commerzbank sei nichts bekannt.Allerdings hatte der Chef der Schweizer "Visions"-Fonds im Januar erklärt, er könne sich einen Einstieg bei deutschen Kreditinstituten sehr wohl vorstellen.Ebners Gruppe und die Commerzbank wollten sich zu den Spekulationen nicht äußern.Die brodelnde Gerüchteküche trieb den seit Wochen steigenden Kurs der Commerzbank am Mittwoch auf ein neues Jahreshoch von 74,50 (Vortagsschluß 69,20) DM.Bereits an diesem Donnerstag wolle die Bank auf einer Pressekonferenz ihre Zukunft erläutern, hieß es unter anderem im Handel.Dies dementierte die Commerzbank, ohne aber die Spekulationen damit wirksam einzudämmen. Die Commerzbank hat wiederholt erklärt, unabhängig bleiben zu wollen."Man könnte sich aber eine Lösung vorstellen, in der sie in einer Verbindung mit der Schweizer Bank Credit Suisse (CS) und der Schweizer Versicherungsgruppe Winterthur ein hohes Maß an Autonomie behält", sagte Vereinsbank-Analystin Nathalie Grasegger.Eine Beteiligung Ebners an der Commerzbank würde auf dem Weg zu einer Verbindung Credit Suisse/Winterthur/Commerzbank durchaus Sinn machen.Der Schweizer Investmentbanker hält etwa 30 Prozent des Winterthur-Kapitals und fünf Prozent der Winterthur-Stimmrechte.Nach der angekündigten Fusion von Credit Suisse und Winterthur wären Ebners Trustgesellschaften mit durchgerechnet sieben Prozent größter Einzelaktionär der neuen Finanzgruppe.Commerzbank und Winterthur sind wiederum über die WinCom Versicherungsholding AG an der deutschen DBV-Versicherungsgruppe beteiligt. Die CS-Aktie stieg am Mittwoch vorübergehend auf 196,75 Schweizer Franken.Hans Kaufmann, Chefanalyst bei der Bank Julius Bär in Zürich, glaubt allerdings nicht, daß die CS die Commerzbank übernehmen will.CS-Chef Lukas Mühlemann habe ihm diese Woche gesagt, daß die CS-Gruppe nicht an einer Erweiterung ihres Retail Bankings außerhalb der Schweiz interessiert sei, sondern sich im Bereich Investmentsfonds und Lebensversicherungen verstärken wolle, sagte Kaufmann.Die Commerzbank würde aber in eine Bankenehe ein ausgedehntes Filialnetz einbringen, während sie im Investmentbanking nach Expertenmeinung bisher relativ wenig zu bieten hat.

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