Wirtschaft : Schwenkow braucht eine bessere Story

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Von Henrik Mortsiefer

Auch Unternehmer machen mal Fehler. Die meisten fallen nicht auf, weil sie in der Bilanz später nicht erscheinen. Einige Fehler aber lassen sich nicht mit Kosmetik verheimlichen. Deag-Chef Peter Schwenkow hat einen solchen Fehler gemacht, als er vor zwei Jahren die Stella-Musical für 20 Millionen Euro teuer einkaufte. Am Ende vieler glückloser Versuche, Stella wieder zu einem n zu machen, stand die Pleite. Und die reißt nun ein tiefes Loch in die Deag-Bilanz.

Nun übt sich der Vorstand in Bescheidenheit: Zurück zum Kerngeschäft, Restrukturierung des zu schnell gewachsenen Konzerns, Wachstum in Maßen. Das alles ist nötig, um das Vertrauen der Mitarbeiter, Künstler und Anleger nicht weiter zu beschädigen. Die Deag, die sich gern als Ausnahmeerscheinung am Neuen Markt verkauft hat, folgt damit dem Beispiel vieler – zumal aus der Medienbranche. Und die Chancen, dass sie ihre Stärken im Konzert- und Tourneegeschäft weiter erfolgreich einsetzt, stehen gut.

Fraglich ist indes, ob es Peter Schwenkow gelingt, den ramponierten Ruf am Kapitalmarkt wieder herzustellen. Der aktuelle Kurs der Aktie dokumentiert, was die Anleger von der Art und Weise halten, wie das Deag-Management in den vergangenen zwei Jahren das Geld der Aktionäre verbrannt hat. Verwunderlich ist, dass die Botschaft der Börse am Kurfürstendamm noch nicht angekommen ist. Analysten beklagen, am Markt sei zuletzt mehr bekannt gewesen, als das Unternehmen seinen Anteilseignern mitgeteilt habe. Zu dieser Informationspolitik passt, dass immer noch von einem anonymen Treuhänder die Rede ist, an den die Stella-Reste verkauft wurden. Und dazu passen die Verschwörungstheorien des Vorstands, wonach die Aktie am Boden liege, weil die Deag bald feindlich übernommen werde. An der Börse werden diese Geschichten nicht mehr geglaubt. Schwenkow muss sich etwas einfallen lassen, wenn die Wachstumsstory Deag weiter gehen und die Zahlen Ende 2002 wieder schwarz sein sollen.

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