Wirtschaft : Schwenkow spielt im internationalen Tournee-Geschäft mit

BERLIN (mot). Die Deutsche Entertainment AG (DEAG) ist bei der Expansion ins internationale Veranstaltungs- und Tournee-Geschäft einen großen Schritt vorangekommen. Wie Vorstandschef Peter Schwenkow am Mittwoch in Berlin mitteilte, beteilige sich das Unternehmen mit 50 Prozent an der Londoner Marshall Arts Ltd., einer der größten Künstler- und Tournee-Agenturen der Welt. Die Übernahme rücke die DEAG in die richtige Position, um weltweit arbeiten zu können. Das Unternehmen sei nun zudem in der Lage, am weltweiten Konzentrationsprozeß der Branche mitzuwirken. "Die Beteiligung an Marshall ist der bedeutendste Schritt seit unserem Gang an die Börse und verstärkt unsere Einkaufsmacht erheblich", sagte Schwenkow. "Wir wollen nicht dort aufhören, wo wir angekommen sind."Die Umsatz- und Ergebnisprognosen für das laufende Geschäftsjahr fallen nach der Akquisition deutlich höher aus. Statt der erwarteten 160 Mill. DM will die DEAG 190 Mill. DM Umsatz erwirtschaften. 35 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde bei 11 Mill. DM liegen, sagte DEAG-Finanzvorstand Thomas Nedtwig. Über den Kaufpreis für das Marshall-Paket machte Peter Schwenkow keine detaillierten Aussagen. "Wir haben in bar bezahlt, und unsere Kriegskasse hat dafür ausgereicht."Barrie Marshall, Gründer und Geschäftsführer der Londoner Konzert-Agentur, sagte, der Einstieg der DEAG in sein Unternehmen mache den Weg frei für die "Eroberung neuer Märkte". Im Mittelpunkt seiner Arbeit stünden weiterhin die Künstler und das Publikum. Das Führungsteam von Marshall Arts - Barrie Marshall, Doris Dixon und Jenny Marshall - wird von London aus die Geschäfte weiterführen. Zusätzlich wird Barrie Marshall einen Sitz im neu geschaffenen International Entertainment Strategy Board der DEAG einnehmen.Marshall Arts hat unter anderem internationale Tourneen mit Tina Turner, Janet Jackson, Cher, Joe Cocker, Lionel Richie, Whitney Houston und Garth Brooks veranstaltet. Paul McCartney ging mit Marshall auf zwei Welttourneen. Ferner wurden soeben die Verhandlungen für eine Welttournee mit den Eurythmics abgeschlossen, die im Herbst 1999 beginnt. In Großbritannien arbeitet Marshall mit Sting, Rod Stewart, Elton John, den Spice Girls und Dire Straits zusammen und wurde dort als Promoter des Jahres ausgezeichnet.Als Künstler-Agentur, Tournee-Promoter und nationaler Konzert-Veranstalter mit eigenem Kartenvertrieb machte Marshall 1998 einen Umsatz von umgerechnet 52 Mill. DM, 11 Mill. DM mehr als im Jahr zuvor. 1999 will das Unternehmen mit 16 Mitarbeitern 60 Mill. DM erwirtschaften.Peter Schwenkow bezeichnete die Deutsche Entertainment nach der Beteiligung an Marshall als zweiten global operierenden Tournee- und Konzert-Veranstalter hinter dem US-Konkurrenten SFX Entertainment, der einen weltweiten "Total-Service" für die Künstler anbieten könne. "SFX und die DEAG sind in der Lage, 40 Prozent des Weltmarktes im Volumen von insgesamt 15 bis 20 Mrd. DM unter sich aufzuteilen", so Schwenkow. Der Deutschen Entertainment eröffne dies ein zusätzliches Umsatzpotential von ein bis zwei Mrd. DM. Der europäische Markt für Live-Entertainment habe ein Volumen von rund fünf Mrd. DM. Davon würden etwa 1,5 Mrd. DM von Spezialisten bedient. "Drei Mrd. DM sind offen", so Schwenkow. Gewinner in diesem Markt, der vor einem radikalen Umbau stehe, seien die Anbieter, die "von Anfang an dabei waren" und die ihre Expansion am Kapitalmarkt finanzieren könnten.Der Aktienkurs der am Neuen Markt in Frankfurt (Main) notierten Deutschen Entertainment AG legte am Mittwoch um sieben Prozent oder 2,60 auf 39,50 Euro zu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben