Wirtschaft : Schwer auf Öl

Kreuzfahrtschiffe nutzen umstrittenen Treibstoff, weil umweltfreundlichere Alternativen teurer sind.

Anna-Sophie Sieben
Überführung. Die Meyer-Werft in Papenburg hat das neue Kreuzfahrtschiff Disney Fantasy gebaut. Auch das fährt mit Schweröl. Foto: dapd
Überführung. Die Meyer-Werft in Papenburg hat das neue Kreuzfahrtschiff Disney Fantasy gebaut. Auch das fährt mit Schweröl. Foto:...Foto: dapd

Berlin - An Land darf schon lange kein Schweröl mehr verbrannt werden. Zu giftig ist der Qualm dieses zähflüssigen, stinkenden Abfallprodukts der Ölindustrie, voller Schwefel, Asche und Ruß. Und zu schädlich ist er für Mensch und Umwelt. Auf See dagegen ist Schweröl noch immer der Standardtreibstoff von Fracht- und Kreuzfahrtschiffen. Auch im Bauch der havarierten Costa Concordia lagern angeblich 2200 Tonnen Schweröl und 180 Tonnen Schiffsdiesel.

Bis zu zehn Megawatt Strom, so viel wie eine Kleinstadt, verbraucht ein Kreuzfahrtschiff am Tag. Und das verschlingt, genauso wie die Fortbewegung selbst, enorme Mengen Treibstoff. Die Reeder unternehmen daher eine Menge, um den Verbrauch zu senken: effizientere Motoren, aerodynamische Schiffsrümpfe, spezielle reibungsarme Unterwasseranstriche, langsamere Fahrt. Aber am Treibstoff selbst soll sich nichts ändern.

Diese Tatsache veranlasste kürzlich die Umweltschutzorganisation Nabu, den beiden deutschen Kreuzfahrtunternehmen Tui Cruises und Aida Cruises stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt den Umwelt-Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ zu verleihen. Der Nabu fordert von den Reedereien, künftig nur noch deutlich schwefelärmeren Schiffsdiesel, auch Marine Diesel Oil (MDO) genannt, zu nutzen und ihre Kreuzer mit Rußpartikelfiltern nachzurüsten. So könne man die Schwefeldioxidemissionen und den Rußausstoß um bis zu 90 Prozent verringern, sagt Dietmar Oeliger vom Nabu.

Aus ökologischer Perspektive ist der Angriff auf die Kreuzfahrtindustrie sehr kurz gegriffen, denn diese macht mit weniger als 600 Schiffen nur einen winzigen Teil der weltweiten Schifffahrt aus, von der 93 Prozent des internationalen Warenaustausches abgewickelt wird. Aber Öffentlichkeit und Medien interessierten sich sehr viel mehr für Kreuzfahrtschiffe, sagt Oeliger. Zudem werden Seereisen immer beliebter, die Branche verzeichne zweistellige Wachstumsraten. Das wolle man nutzen, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken.

Ein Ende der Schwerölära ist auch in Sicht. Schon jetzt dürfen Schiffe in ausgewiesenen Sonderzonen wie Nord- und Ostsee nur noch Treibstoff mit einem Prozent Schwefelanteil verbrennen, in europäischen Häfen sind es sogar nur 0,1 Prozent. Auf hoher See ist Schweröl bis 3,5 Prozent zugelassen, das ist nach Angaben des Nabu 3500-mal so viel wie Pkw- Diesel enthält. Bis 2020 muss die Schifffahrt dann sogar komplett auf Diesel mit höchstens einem halben Prozent Schwefelanteil umstellen, so will es das Marpol-Abkommen der International Maritime Organization, der Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen.

Umweltschützer befürchten jedoch, dass die Reedereien versuchen, dieses Abkommen zu unterlaufen, denn es hat ein Schlupfloch: Umgesetzt wird es nur, wenn die Raffinerien genügend Schiffsdiesel produzieren. Das wiederum werden sie aber nur machen, wenn die Nachfrage steigt und sich die Umrüstung der Raffinerien rentiert.

Dass die Reedereien schon vorher freiwillig auf Schiffsdiesel umschwenken, hält Max Johns vom Verband Deutscher Reeder für einen „frommen Wunsch“. Denn der saubere Treibstoff hat seinen Preis. „Schweröl kostet etwa halb so viel wie Diesel. Bedenkt man, dass ein schnell fahrendes Kreuzfahrt- oder Containerschiff rund 300 Tonnen pro Tag verbraucht, sind Preisunterschiede von bis zu 100 000 Euro pro Tag denkbar.“

Die Gründe dafür, dass noch immer Schweröl in die Tanks der beiden Tui- Kreuzfahrtschiffe fließt, möchte Sprecherin Alexa Hüner nicht nennen. Doch sie räumt ein, dass eine Umstellung der beiden Schiffe auf umweltverträglicheren Treibstoff nicht vorgesehen ist. Auch die Reederei Hapag-Lloyd hat derzeit keine entsprechenden Pläne. Sie bestreitet allerdings, dass es eine reine Kostenfrage sei und verweist auf eine zunehmende Dieselknappheit auf dem Weltmarkt.

Offenherziger gibt sich da das Kreuzfahrtunternehmen Aida. Auch der deutsche Marktführer wird seine Flotte weiterhin vornehmlich mit Schweröl fahren. Derzeit verbrauchen die acht Kreuzer nach eigenen Angaben rund 14-mal mehr Schweröl als Diesel. Eine Umstellung würde Mehrkosten von rund 15 Euro pro Tag und Passagier bedeuten, sagte Firmenchef Michael Thamm zu „Spiegel Online“. Durchaus erschwinglich, sollte man meinen, vor allem für die als eher wohlhabend geltenden Kreuzfahrtpassagiere. Doch tatsächlich sinken die Preise für Seereisen seit Jahren. Höhere Treibstoffkosten bedeuten dabei einen Wettbewerbsnachteil.

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